Politik : Geißler: Was Attac macht, ist richtig

Matthias Meisner

Berlin - Heiner Geißler kann schlecht verbergen, dass es ihm um eine Provokation geht. Ein „bisschen Verwunderung ausgelöst“ habe sein Beitritt bei Attac, sagt der frühere CDU-Generalsekretär kokett. Am Donnerstag in Berlin tritt er erstmals auf eine Bühne der globalisierungskritischen Organisation: Und wettert schon fast so gut wie die geübten Attac-Wortführer gegen den neoliberalen Kurs der G 8.

Alle Mühe gibt sich der 77-Jährige, sein Engagement nicht als späte neue Einsicht gelten zu lassen, sondern als logische Konsequenz seiner früheren Politik. Schließlich sei er es gewesen, der früher mal die Menschenrechtspolitik der CDU entwickelt habe. Nun nennt er die Armut in weiten Teilen der Welt „globale Sozialapartheid in der schlimmsten Form“. Und sagt Sätze wie: „Der Kapitalismus ist genauso falsch wie der Kommunismus.“

Neben Geißler sitzt Pedram Shahyar, Mitglied des Attac-Koordinierungskreises. Er war lange Jahre Funktionär der trotzkistischen Organisation „Linksruck“, vor ein paar Tagen erst hat ein früherer Mitstreiter Shahyar daran erinnert, dass man gemeinsam keinesfalls nur „Druck von unten“ wollte, „sondern bewaffnete Massenbewegung“. Derzeit gehört Shahyar zum Mitarbeiterstab der Linksfraktion im Bundestag, koordiniert dort die Proteste gegen den Gipfel in Heiligendamm. Jetzt spielen sich die beiden Aktivisten die Bälle zu. Geißler sagt: „Die Ideen verändern die Welt. Deshalb ist das, was Attac macht, absolut richtig.“ Und „im Prinzip vereinbar mit dem Grundsatzprogramm der CDU“. Wer das von seinen Parteifreunden nicht so sehe, sei schlecht informiert und „ignorant“.

Bei der Großdemonstration gegen die G 8 an diesem Samstag in Rostock will Geißler nicht dabei sein. Er sei Bergsteiger, gehe viele Risiken ein, wolle diese aber selbst beherrschen. Potenzielles Gerangel mit Ordnungshütern zählt für ihn nicht dazu. Und den Aufruf zum Protest, den wegen seines scharfen Tones nicht mal Grünen-Chefin Claudia Roth unterschreiben wollte, hat Geißler erst gar nicht gelesen. Matthias Meisner

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