Politik : Geist der Kirche soll sich wandeln

Claudia Keller

Wittenberg - Nicht weniger als einen grundlegenden geistlichen „Mentalitätswandel“ will der „Zukunftskongress“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) erreichen. Zum Auftakt des dreitägigen Treffens in Lutherstadt Wittenberg forderte der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber, am Donnerstag die 300 leitenden Geistlichen und Abgesandten aus den Landeskirchen auf, die „lebendige Kraft“ des Christentums in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu stellen und ihre Aufgabe nicht primär darin zu sehen, „eine Tradition zu bewahren und ein Erbe zu verwalten“. Unter der Predigtkanzel Martin Luthers erinnerte Huber an den Geist der Reformation und die „Freiheit eines Christenmenschen“. „Der christliche Glaube ist eine Religion der Freiheit und der Vernunft, des freien Dienstes am Nächsten und der politischen Mitverantwortung“, sagte er.

Auf dem Kongress geht es aber auch um Konkretes: So schlägt die EKD vor, die Zahl der 23 Landeskirchen auf maximal zwölf zu reduzieren, Schwerpunkte in der Gemeindearbeit zu setzen und die Arbeit der Pfarrer durch „Qualitätsmanagement“ zu standardisieren. Prognosen sagen voraus, dass bis 2030 die Anzahl der evangelischen Kirchenmitglieder von 26 Millionen auf 17 Millionen zurückgehen wird. Die Kirchensteuereinnahmen werden sich halbieren.

An den Reformplänen gab es am Freitag viel Kritik. Die Frage der Fusionen von Landeskirchen habe Vertrauen zerstört, sagte der Pfälzer Bischof Eberhard Cherdron. Pfarrer fühlten sich in ihrer Arbeit nicht gewürdigt. Viele junge Teilnehmer kritisierten, dass auf dem Kongress zu sehr die strukturellen Veränderungen innerhalb der Kirche im Mittelpunkt stünden und gesellschaftliche, vor allem soziale Probleme zu kurz kämen. „Wir sollten mehr davon sprechen, wer wir sind und was wir den Menschen auf ihre Sinnsuche antworten wollen“, forderte Katrin Göring-Eckardt (Grüne), Bundestagsvizepräsidentin und bekennende Protestantin.

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