Politik : Gelassen, aber ohne Häme

Bayerns FDP will die CSU nicht verprellen

Henry Stern

München - Noch wirkt Martin Zeil im Münchner Maximilianeum ein wenig orientierungslos: „Wo muss ich denn hin?“, fragt der FDP-Spitzenkandidat beim ersten Pressetermin im Landtag. Wenig später verschwinden die 16 frisch gewählten FDP-Abgeordneten hinter einem Wald von Kameras. Doch Zeil lässt sich von solchen Anlaufschwierigkeiten nicht aus der Ruhe bringen. Man wechselt den Raum, die Fragerunde kann beginnen.

Dabei wird deutlich: Zeil nimmt auch das Führungschaos in der CSU gelassen. Es sei zwar klar, dass „die andere Seite“ in der Führungsfrage „so schnell wie möglich Klarheit“ schaffen müsse, sagt er. Schließlich verlange Bayerns Verfassung, dass spätestens am 27. Oktober ein Ministerpräsident gewählt wird. Er gehe aber davon aus, dass die CSU bis Mittwoch ihre Personalfragen geklärt habe. Gefragt, wer dort zurzeit erster Ansprechpartner sei, kann sich Zeil eine kleine Spitze jedoch nicht verkneifen: „Ich bin da ein wenig vorsichtig“, spottet er. „Weil sich das ja stündlich ändern kann.“

Dabei will die FDP die angeschlagene CSU nicht etwa mit Häme oder forschen Forderungen verprellen. Auch von öffentlich geäußerten Vorbedingungen für eine Koalition will Zeil nichts wissen. Dass der scheidende Ministerpräsident Günther Beckstein für die CSU noch ein ganzes Bündel Bedingungen präsentierte, wird nicht weiter kommentiert: „Jeder hat da seinen eigenen Stil.“ Ein rechnerisch mögliches Bündnis mit SPD, Grünen und Freien Wähler lehnt Zeil ab, denn dafür gebe es „keine inhaltliche Basis“.

Auch beim Thema Postenverteilung hält sich die FDP bedeckt. Spekuliert wird, dass Zeil für sich selbst das Wirtschaftsministerium fordert. Dazu könnten Wissenschafts- und Justizressort kommen. Für letzteres wird der Passauer Bundestagsabgeordnete Max Stadler gehandelt. Landeschefin Sabine Leutheusser- Schnarrenberger, die bei der ersten Sondierung die FDP-Delegation angeführt hat, sieht ihre Heimat hingegen in der Bundespolitik. Die FDP werde in jedem Fall „qualifiziertes Personal aufbieten“, verspricht Zeil. Doch die 14 Jahre, die die Partei nicht mehr im Landtag war, haben Spuren hinterlassen. Selbst in der Kommunalpolitik ist sie nicht gut verankert: In den 2056 Gemeinden stellt die FDP nur 414 Mandatsträger. Entsprechend unerfahren ist die neue Landtagstruppe: Ärzte, Apotheker, Rechtsanwälte und Unternehmer sind darunter. Und ein erst 29-jähriger Schlagersänger namens Tobias Thalhammer, der in Polen Erfolge feiert.

Viele Neu-Abgeordnete sind selber erst seit kurzem in der FDP aktiv. Politisch in Erscheinung getreten sind bisher nur der Münchner Wolfgang Heubisch als Vizepräsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft und der Mittelfranke Jörg Rohde, der wie Zeil für die FDP im Berliner Reichstag sitzt. Unterschiede zwischen Landtag und Bundestag hat Zeil bereits ausgemacht: „Die Sessel in Berlin sind weicher“, befand er beim Probesitzen im Plenarsaal. „Dafür sind dort die Debatten härter.“ Henry Stern

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