Politik : Geld macht keine Kinder

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von antje sirleschtov

Guten Morgen, Mami! Überall in Deutschland werden heute Kinder mit diesem Satz ihre Mütter wecken. Sie schenken ihnen Blumen, decken den Frühstückstisch oder rufen wenigstens mal an. Denn heute ist Muttertag, und da sagt man Danke - für das Windeln waschen, das Zur-Schule-bringen, für Gespräche bei Liebes- und Lebenskummer, für Wärme und Geborgenheit. Mag sein, dass so mancher diesen Tag mit einem antiquierten Bild von der Mutter daheim am Herd in Verbindung bringt. Doch dieser Tag steht längst für mehr. Er gilt der Familie. Und die erweist sich auch in unserer gleichberechtigten und flexibilisierten Zeit als ein wichtiger Teil der Gesellschaft. Ob nun Mutter oder Vater, ob beide gemeinsam oder auch mit neuen Partnern diese Familie prägen.

Doch was ist morgen, wenn der Muttertag dem Alltag weicht? Welchen Stellenwert misst unsere Gesellschaft der Familie wirklich zu? Deutschlands Politiker haben einen Verfall des Familienwertes diagnostiziert, wieder einmal. Im Wahlkampf trumpfen alle Parteien mit wohlklingenden Schwerpunkten auf. Damit wollen sie zeigen: Wir sind uns der Lage bewusst. Die Geburtenzahlen sind gering, wir stehen vor der Überalterung. Das bedroht die Sozialsysteme und den Arbeitsmarkt, das nagt an den Grundfesten der Gesellschaft, schwächt das Wachstum, schmälert den Wohlstand.

Die Rezepte von Rot, Grün, Schwarz und Gelb sind schnell buchstabiert. Im Kern gleichen sie einander, vor allem in ihrer Unzulänglichkeit. Die Unterschiede sind nur am Rand zu betrachten. Während die Sozialdemokraten Milliarden zum Ausbau von Ganztagsschulen bereitstellen, aber das Kindergeld nur moderat anheben wollen, setzen die Unionsparteien die Prioritäten genau anders herum. Grüne und Liberale positionieren sich, wenn auch mit radikaleren Ansätzen, im selben Muster. Einig sind sich alle in einem: Mehr Geld soll für die Familien her. Aber keines dieser Versprechen wird Entscheidendes ändern. Wegen einhundert Euro mehr werden aus überzeugten Singles keine Mütter und Väter.

Wer der Familie zu einer besseren Stellung verhelfen will, der muss sie wieder ins Zentrum rücken - finanziell, rechtlich, gesellschaftlich, und das alles dann auch möglichst unbürokratisch. Länder wie Frankreich machen vor, wie es geht. Dort haben Familien nicht mehr den Status lästiger Fürsorgeempfänger, müssen nicht in Konkurrenz zu anderen Gruppen als Bittsteller auftreten.

Hierzulande haben Familien keine wirkliche Lobby. Gewerkschafter kämpfen um Arbeitsplätze in öffentlichen Ämtern, die Interessen der Schüler interessieren sie nicht. Unternehmer scheuen davor zurück, Müttern Karrierechancen zu eröffnen. Den Kommunen fehlt das Geld für neue Kindergärten. Aber weil sie am Monopol für die Kinderbetreuung festhalten, betteln Eltern vergeblich um Kita-Plätze, statt selbst entscheiden zu können, ob sie stattdessen mit mehr Kindergeld ein Kindermädchen anstellen.

Es stimmt wohl: Familienpolitik ist nicht umsonst zu haben. Für den Erfolg entscheidend ist allerdings, ob eine Förderung von der Gesellschaft als Alimentierung oder als Gegenwert für eine Leistung empfunden wird. Die Antworten der deutschen Familienpolitik sind so antiquiert wie das Bild vom Muttertag.

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