Politik : Genforschung: Kopierfehler nicht ausgeschlossen

Malte Lehming

Embryonale Stammzellen - die Frage, ob man mit ihnen forschen darf oder nicht, spaltet in Deutschland Wissenschaft und Politik. Am Montag will der Nationale Ethikrat erste Ergebnisse seiner Arbeit präsentieren. Derweil erscheint in den USA eine Studie, die erste Zweifel an einem unkomplizierten Segen der embryonalen Stammzellenforschung erlaubt.

Zum Thema Online Spezial: Die Debatte um die Gentechnik Bislang waren die Wissenschaftler in den USA sich einig: Die Forschung mit embryonalen Stammzellen (ES) verspricht große medizinische Erfolge bei der Bekämpfung schwerer Krankheiten. Aber nun berichtet die Fachzeitschrift "Science" in ihrer jüngsten Ausgabe, dass embryonale Stammzellen abnorme Genaktivitäten erzeugen können, zumindest bei geklonten Mäusen. Sollten auch menschliche ES-Zellen derartige Fehler aufweisen, würde das ihre Verwendung als Gewebeersatz erschweren.

Genetiker der Universitäten Cambridge und Hawaii hatten Mäuse aus embryonalen Stammzellen geklont. Äußerlich sahen die Tiere gesund aus. Zu ihrer Überraschung entdeckten die Forscher jedoch, dass die Mäuse ihre Gene, die allesamt identisch waren, unterschiedlich aktivieren. Diagnostiziert wurde das Problem besonders bei wichtigen Organen wie dem Herz, der Leber und den Nieren. Derlei Unregelmäßigkeiten finden sich weder bei normalen Nagern noch bei solchen, die durch künstliche Befruchtung entstanden sind. Das Problem lässt sich mit dem wiederholten Kopieren eines Musikstückes vergleichen: In der einen Kopie fehlen die Violinen, in der anderen die Posaunen. Das Stück bleibt dasselbe, aber es klingt immer anders. Falls sich herausstellen sollte, dass sich auch menschliche ES-Zellen bei der Kultivierung verändern, könnten Probleme bei der Stammzellentherapie nicht ausgeschlossen werden. Organe, die aus ES-Zellen gezüchtet wurden, könnten möglicherweise einen veränderten Stoffwechsel haben.

Wie brisant diese Untersuchung ist, illustriert ein Bericht der "Washington Post". In letzter Minute, heißt es da, hätten die Forscher noch eine Passage streichen lassen, in der ursprünglich Zweifel an der Unkompliziertheit der ES-Forschung geäußert worden war. Sie seien besorgt gewesen, sagte Jänisch zur Begründung, dass eine Erwähnung möglicher Probleme von den Gegnern der Stammzellen-Forschung aufgebauscht worden wäre.

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