Politik : George Robertson gilt als eifrig, aber nicht charismatisch (Portrait)

Martin Pütter

Der britische Verteidigungsminister George Robertson erhielt am Wochenende ein Kompliment von ungewohnter Seite. "Ein erfolgreicher Labour-Verteidigungsminister? Früher erschien das unglaublich, doch George Robertson hat bewiesen, dass es möglich ist", schrieb der "Daily Telegraph".

Das Besondere an diesem Kompliment: Es kommt vom konservativsten Blatt unter den seriösen englischen Zeitungen. Ein Grund für dieses Kompliment stammt sicherlich daher, dass sich die Labourpartei, bei der sich die Mitglieder der älteren Generation in ihrer Jugend fast alle aktiv für die nukleare Abrüstung eingesetzt hatten, sonst immer sehr schwer getan hatte mit dem Thema Verteidigung.

George Robertson scheint jedoch vieles richtig gemacht zu haben, womit er wie geschaffen für den neuen Job scheint. Darum wird Premierminister Tony Blair ihn wohl auch als Kandidaten für den Posten des Nato-Generalsekretärs vorgeschlagen haben. Dabei wird es sicher nicht geschadet haben, dass Robertson ähnlich wie Blair einen äußerst harten Kurs gegen den serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic eingeschlagen hat.

Der familiäre Hintergrund wird dem 53jährigen Schotten sicher auch geholfen haben in seinem Amt als Verteidigungsminister. George Robertson, geboren auf der für ihre Malz-Whiskys berühmten Insel Islay, stammt aus einer Polizistenfamilie. Der Vater war Polizeibeamter, der Großvater hatte es bis zum Inspektor gebracht, und sein Bruder hatte lange in Londons Metropolitan Police gedient.

Robertson besaß also schon früh an Respekt vor Autorität und Uniformen, die in Großbritannien anscheinend als notwendige Voraussetzungen für einen erfolgreichen Verteidigungsminister betrachtet wird. Den Respekt und die Achtung, den ihm die britischen Streitkräfte seit seinem Amtsantritt vor knapp über zwei Jahren entgegen gebracht haben, hat er auf seine ganz persönliche Art und Weise erreicht.

In den Reihen der Labourpartei ist Robertson, der seit 29 Jahren verheiratet und Vater dreier Kinder ist, zwar alles andere als eine charismatische Figur, doch er schuftet hart, "ist geradeaus und willig, in einer Krise seine Linie einzuhalten", schreibt der "Telegraph" über den Schotten, der seit 1978 den Wahlkreis Hamilton im Unterhaus vertritt.

Robertson ist aber auch ein Mann, der die Gelegenheiten eines Phototermins, der ihn in ein gutes Licht rückt, nicht auslässt, da lässt er sich durch nichts abbringen. Begonnen hatte George Robertson seine politische Karriere allerdings nicht bei Labour, sondern während seiner letzten Schuljahre bei der "Scottish National Party". Die verließ er aber nach einem Jahr wieder. Nach seinem Studium an der Universität Dundee trat er der Labourpartei an und arbeitete als Gewerkschaftsvertreter.

In den 18 Jahren konservativer britischer Regierungen war Robertson mehrheitlich außenpolitischer Sprecher seiner Partei, und die dabei gewonnenen Erfahrungen würde ihm nach einheitlicher Ansicht der englischen Medien auf seinem neuen Posten entgegen kommen.

Die damals geknüpften Kontakte mit führenden europäischen Politikern hat der europafreundliche Schotte, der seit 1992 auch stellvertretender Vorsitzender der deutsch-britischen Parlamentariergruppe im Unterhaus ist, in seinen zwei Jahren als Verteidigungsminister vertieft.

Robertsons Ernennung zum neuen Nato-Generalsekretär, die von den 19 Mitgliedsländern der Nato am heutigen Montag bestätigt werden muss, scheint aber nun so gut wie sicher zu sein - wenn man dem "Telegraph" glauben will. "Es gibt so wenige gute Kandidaten, dass Amerika bei den Briten gebettelt hat, einen neuen Namen vorzuschlagen", schrieb das konservative Blatt.

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