Politik : Georgiens eiserne Lady

Vom Ziehkind Schewardnadses zur Nachfolgerin: Nino Burdschanadse

Elke Windisch

Als erste Frau steht sie an der Spitze eines Landes, das eigentlich durch eine Macho-Gesellschaft geprägt ist: Nino Burdschanadse, 39 und Mutter von zwei Kindern, ist seit dem Sieg der georgischen Opposition Interimspräsidentin in Tiflis. Doch bei den Präsidentenwahlen im Januar will ihr Block nach bisherigem Stand Oppositionsführer Michail Saakaschwili unterstützen. Mit ihrer ungeorgisch zurückhaltenden, ein bisschen unterkühlt wirkenden Damen-Attitüde, die maßgebend für den bisher unblutigen Machtwechsel war, nahm die Juristin, eine ausgewiesene Expertin für Völkerrecht, nach ihrem Einstieg in die Politik 1995 Stufe um Stufe der Karriereleiter. Zunächst war sie politisches Ziehkind von Ex-Präsident Schewardnadse. Beide Familien verbindet eine lange Freundschaft, die Burdschanadses Vater durch das Importmonopol für Mehl reich machte. Von den Erlösen soll auch für Schewardnadse einiges abgefallen sein.

Verheiratet ist sie mit dem Ex-Generalstaatsanwalt der Republik, der aus Protest gegen Schewardnadse gerade die Fronten gewechselt hat. Mit aktiver Unterstützung Schewardnadses löste sie im November 2001 den späteren ideologischen Vordenker ihrer Partei, Surab Schwanija, als Parlamentschef ab. Zunehmend enttäuscht über Reformstau, Korruption und den autoritären Regierungsstil ihres einstigen Paten erwarb sie sich bald den Ruf einer „eisernen Lady“ der Opposition in ihrer Partei „Vereinte Demokraten“. Zum offenen Bruch mit Schewardnadse kam es im Mai, als dieser wieder einmal gegen die Volksvertreter wetterte. Burdschanadse antwortete nicht einmal, sondern verließ einfach den Saal.

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