Gerichtsurteil gegen Kremlgegner : Alexej Nawalny vorerst auf freiem Fuß

Ein Gericht in Kirow hatte den Kremlgegner Alexej Nawalny am Donnerstag zu fünf Jahren Haft verurteilt. Tausende Menschen protestierten gegen die Entscheidung. Heute wurde der Oppositionelle aus der U-Haft wieder entlassen.

Nachdem der russische Blogger und Korruptionsbekämpfer Alexej Nawalny am Donnerstag mit Handschellen aus dem Gerichtssaal abgeführt wurde, ist er nun vorerst auf freiem Fuß.
Nachdem der russische Blogger und Korruptionsbekämpfer Alexej Nawalny am Donnerstag mit Handschellen aus dem Gerichtssaal...Foto: dpa

Der Kremlgegner Alexej Nawalny ist auf freiem Fuß. Ein russisches Gericht in der Stadt Kirow setzte die Untersuchungshaft am Freitag aus, bis das Straflager-Urteil gegen den Oppositionellen rechtskräftig ist.

Die Sitzung aus dem Gerichtssaal wurde von der offiziellen Agentur rapsinews.ru im Internet übertragen. Damit soll dem 37 Jahre alten Anwalt die Teilnahme an der Bürgermeisterwahl in Moskau am 8. September ermöglicht werden. Das Urteil selbst wurde nicht infrage gestellt. Nawalny war am Donnerstag in Kirow, 900 Kilometer nordöstlich von Moskau, wegen Veruntreuung zu fünf Jahren Lagerhaft verurteilt worden.
Die neue Gerichtsentscheidung galt auch als eine Reaktion auf die spontanen Proteste gegen die Inhaftierung des Gegners von Kremlchef Wladimir Putin. Allein in Moskau waren Tausende Menschen auf die Straße gegangen, um gegen das Hafturteil zu demonstrieren. Dabei habe es rund 200 Festnahmen gegeben, hieß es. Auch in anderen Städten gab es Proteste. In St. Petersburg kamen gut 50 Menschen in Gewahrsam.


Die Haftbeschwerde erfolgte Medien zufolge auf Initiative der Generalstaatsanwaltschaft in Moskau. Die Entscheidung des Gerichts wurde auch in den europäischen Medien kritisiert.

Der landesweit bekannte Blogger und Korruptionsbekämpfer Nawalny soll 2009 als Berater eine staatliche Holzfirma betrogen haben. Dabei soll ein Schaden von 400 000 Euro entstanden sein. Nawalnys Verfahren wurde auch international als „Schauprozess“ kritisiert.(dpa)

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