Gesundheitspolitik : Patientenbeauftragter für Ärztefehler-Register

Angesichts tausender Patientenbeschwerden pro Jahr regt der Patientenbeauftragte Wolfgang Zöller (CSU) ein Melderegister für Arztfehler an.

Berlin - Die Daten könnten anonym, ohne den Namen des Arztes, dokumentiert werden, sagte Zöller der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. „Wir brauchen eine neue Fehlerkultur.“ Auch verbesserte dezentrale Datensammlungen seien denkbar, hieß es in Zöllers Stab. Dies ließe sich womöglich in das 2011 geplante Patientenrechtegesetz schreiben.

Die Zahl der Patientenbeschwerden stieg zuletzt um fünf Prozent auf fast 11 000 im Jahr 2008. Insgesamt gehen nach Schätzungen jedes Jahr rund 40 000 Patienten wegen Verdachts auf Fehler gegen Ärzte vor. Zuletzt stellten die Gutachter bei 2090 Patienten im Jahr Ärztefehler fest. Falsch behandelter Krebs, nicht entdeckte Knochenbrüche und unzureichende Diagnosen zählten dazu. Fast jeder dritte niedergelassene Arzt berichtete in einer Umfrage von monatlichen oder sogar wöchentlichen Fehlern.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, entgegnete Zöller: „Wir brauchen kein Zwangsregister für Behandlungsfehler.“ Das Ziel bleibe, dass Ärzte ohne Angst über Pannen sprechen und aus ihren Fehlern lernen könnten. „Gerade in Anbetracht der Komplexität moderner Medizin brauchen wir eine systematische und auf Freiwilligkeit beruhende Aufarbeitung von Fehlern im Sinne einer Fehlervermeidungskultur.“ Die bei den Ärztekammern eingerichteten Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen hätten sich bewährt, sagte Hoppe. Auch der Vorstand des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, der Berliner Ärztepräsident Günther Jonitz, wandte sich gegen neue Gesetze.

Rückendeckung erhielt Zöller vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. „Grundsätzlich begrüßen wir ein Register, so dass wir mehr Klarheit über die Zahlen bekommen“, sagte dessen Gesundheitsexperte Stefan Etgeton. Das Bundesgesundheitsministerium sieht Zöllers Vorschlag skeptisch: Ein Sprecher von Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) sagte, über ein Melderegister habe die Koalition bisher nicht gesprochen. „Wenn Behandlungsfehler besser verhindert werden sollen, geht das nur gemeinsam mit allen Beteiligten.“ dpa/ddp

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