Gesundheitswesen : Viele Alte – und zu wenig Ärzte

Der demografische Wandel hat zur Folge, dass die Zahl der Alten weiter steigen wird. Sie sind vermehrt auf ärztliche Hilfe angewiesen, doch es gibt nicht genug junge Ärzte. Der Arztberuf hat an Attraktivität verloren.

Marc Mudrak

Berlin - Weite Teile Deutschlands werden nach Angaben der Bundesärztekammer (BÄK) in den kommenden Jahren unter einem Ärztemangel leiden. Deshalb forderte BÄK-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe am Donnerstag bei einem Symposium in Berlin die Politik zum Handeln auf. „Ein Weiter-so ist nicht akzeptabel“, sagte Hoppe. Durch den demografischen Wandel werde die Zahl der Alten, die vermehrt auf ärztliche Behandlung angewiesen sind, weiter steigen. Gleichzeitig seien fast 40 Prozent der Mediziner über 50 Jahre alt. Da es nicht genug junge Ärzte gebe, werden „viele von ihnen zukünftig keinen Nachfolger mehr finden“, warnte Hoppe. Jedes Jahr seien 8000 neue Ärzte zum Ausgleich nötig.

Noch vor zehn Jahren haben tausende Mediziner keine Arbeit gefunden, heute blieben in manchen Krankenhausabteilungen bis zu 50 Prozent der Stellen unbesetzt, sagte BÄK-Vizepräsident Frank Ulrich Montgomery. Dabei gebe es ausreichend Medizinstudenten. Doch da der Arztberuf an Attraktivität verloren habe, würden später zu wenige in Kliniken und Praxen arbeiten. Als Gründe nannte Montgomery unter anderem die zunehmende Arbeitsbelastung und die mangelnden Weiterbildungsmöglichkeiten.

Die Bundesländer sind vom Ärztemangel unterschiedlich stark betroffen. In Berlin sehe es „sehr viel besser aus als in vielen Flächenländern“, sagte Sybille Golkowski, Sprecherin der Ärztekammer Berlin. Das gelte vor allem für die niedergelassenen Ärzte. In anderen Bereichen wie der Kindermedizin oder der Psychiatrie mache sich immerhin ein leichter Mangel an Fachkräften bemerkbar. „Die Kliniken stellen sich aber auf die Anforderungen der alternden Gesellschaft ein“, sagte Golkowski.

In Brandenburg bietet sich ein ganz anderes Bild. „Hier gibt es das Problem des Ärztemangels“, bestätigte eine Sprecherin der Ärztekammer Brandenburg. Etwa 170 Praxen seien augenblicklich ohne Nachfolger. Das sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass an brandenburgischen Universitäten keine Medizinstudiengänge angeboten werden. Das Land wirbt deshalb verstärkt um Ärzte aus Berlin, aber auch aus Österreich und Osteuropa. Marc Mudrak

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