Politik : Gipfel in Pjöngjang: Es menschelt (Kommentar)

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Lange Zeit war Nordkoreas Führer Kim Jong Il für den Westen vor allem ein Stereotyp: ein öffentlichkeitsscheuer Diktator, der Nordkorea im Steinzeitkommunismus verhungern lässt. Ein Tyrann, der Tausende politische Gefangene verschleppen und ermorden lässt. Ein introvertierter Playboy, der sich unzählige Frauen zuführen lässt und jeden Kontakt zur Außenwelt meidet. Man wusste fast nichts über ihn, und das war schlecht. Beim Gipfeltreffen in Pjöngjang hat sich der "Geliebte Führer" nun zum ersten Mal persönlich präsentiert - als Mensch. Obwohl es das Protokoll nicht vorsah, fuhr Kim Jong Il persönlich zum Flughafen, um Südkoreas Präsident Kim Dae Jung zu begrüßen. Sie haben miteinander geredet und sogar kurz gelacht. Es menschelt in Korea. Und das ist gut so. Natürlich ist vieles von Kim Jong Ils neuem Image Theater. Er ist noch immer einer der brutalsten Diktatoren dieser Erde, verantwortlich für eine gigantische Menschenrechtsverletzung: die Bevormundung eines ganzen Volkes. Und so lange er keine Atomwaffenkontrollen in seinem Land zulässt, bleibt er weiter die größte Gefahr für den Frieden in Asien. Diese Gefahr lässt sich jedoch nur durch Verhandlungen bekämpfen, deshalb gebührt Kim Dae Jung Respekt. Mit seiner Reise hat er den USA und Russland gezeigt, dass man mit Pjöngjang verhandeln kann. Das geht nicht ohne persönliche Kontakte. Sie nach 50 Jahren Feindschaft in Korea aufzubauen - das ist ein historischer Schritt.

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