Gordon Brown : Das lange Warten hat ein Ende

Länger als er hat es in der jüngeren Geschichte Großbritanniens niemand als Schatzkanzler ausgehalten. Und länger hat auch kein Politiker in der zweiten Reihe auf das Amt des Premierministers gewartet.

London - Dabei gilt der Mann, den die Labour-Partei als Nachfolger von Tony Blair im Amt des britischen Premierministers vorgesehen hat, seit Jahren als einer der fähigsten Politiker Europas. Eine Lehrerin aus Grundschulzeiten berichtete über den künftigen Premier: "Als Schüler war er unterbeschäftigt. Ich trug ihm immer mehr auf, doch es war ihm nie genug." Das hat sich fortgesetzt: James Gordon Brown, geboren am 20. Februar 1951 in Glasgow als Sohn eines Pfarrers der reformierten Kirche von Schottland, ist ein brillanter Workaholic.

Mit 16 studiert er Politik

"Politik, Politik, Politik - nur das hatte er im Sinn", sagte eine Freundin aus Jugendtagen. An der Universität von Edinburgh gehörte Brown zu den Wortführern der Studentenschaft. Schon mit 16 Jahren hatte er sein Geschichts- und Politikstudium begonnen. Mit 17 traf ihn ein Schicksalsschlag: Durch eine Verletzung beim Rugby-Spiel erblindete Brown auf einem Auge.

Das bremste den Ehrgeiz des Schotten nur vorübergehend. Mit seiner Doktorarbeit über die Anfänge der britischen Sozialdemokratie empfahl Brown sich bei Labour, wo er rasch bis zur Spitze aufstieg. Dass er wirtschaftlichen Sachverstand mit sozialem Gewissen verband, machte ihn zu den Hoffnungsträgern seiner Partei.

Argumente aus dem "Maschinengewehr"

Nur eines hatte Gordon Brown nie so recht: Charisma. Die Fähigkeit, Massen mitzureißen und deren Begeisterung dann auch noch in Wählerstimmen umzumünzen ging ihm ab. Er sei "ungeduldig", wenn Kollegen seine Gedanken nicht sofort nachvollziehen können, hieß es über Brown, der seine Argumente "wie mit dem Maschinengewehr verteilt". Berüchtigt war der Schatzkanzler auch für abgenagte Fingernägel und zerknitterte Anzüge - bis er im Sommer 2000 die PR-Expertin Sarah Macaulay heiratete.

Weil Tony Blair alles hatte, was Brown fehlte kam es 1994 zum legendären "Deal" im Londoner Restaurant "Granita": Brown überließ Blair die Führung der Partei, damit dieser sie nach Jahren in der Opposition zurück an die Macht führen konnte. Blair versprach, ihm eines Tages das Spitzenamt zu überlassen. Nun muss Brown die Briten überzeugen, dass er es wirklich verdient hat - und ausüben kann. (tso/dpa)

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