Gouverneurin von Alaska : Wohin steuert Sarah Palin?

Sarah Palin gibt überraschend ihr Amt als Gouverneurin des US-Bundesstaats Alaska auf. Seitdem fragt sich die Nation, was die Vizepräsidentschaftskandidatin zu diesem Schritt trieb - und ob sie noch politische Ambitionen verfolgt.

Christoph von Marschall[Washington]
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Sarah Palin ist zurückgetreten. -Foto: Archiv

Die Gouverneurin von Alaska Sarah Palin hat überraschend erklärt, dass sie ihre Arbeit als Regierungschefin des nördlichsten Bundesstaates der USA nach nur gut zwei Jahren am 25. Juli beendet. Nun rätselt Amerika, was die Gründe sind und welche Pläne sie hat. Die 45-jährige Republikanerin war 2008 die Vizepräsidentschaftskandidatin John McCains und gilt als potenzielle Bewerberin um das Weiße Haus 2012. Da Palin in ihrer Rücktrittserklärung am Freitagabend keine klaren Hinweise zu ihrer Zukunft gab, gehen die Spekulationen in gegensätzliche Richtungen. Es sei ein – ungewöhnlicher – Schachzug, um sich auf die Präsidentschaftskandidatur 2012 vorzubereiten, sagen die einen. Es bedeute ihren Rückzug aus politischen Wahlämter in der Einsicht, dass sie geringe Erfolgsaussichten habe, sagen andere. Als mögliche weitere Motive werden genannt: Sie habe mit zu vielen Anfeindungen zu kämpfen und mit Untersuchungen ihrer Amtsführung, die ihr hohe Anwaltskosten aufbürden; oder sie strebe einen hoch bezahlten Job in der Privatwirtschaft an.

Zunächst sicherte sich Palin breite Berichterstattung über das lange Wochenende um Amerikas Unabhängigkeitstag. Die Politik ruht, Palin ist die Hauptstory für Fernsehen und Zeitungen. Sie stellt ihre Entscheidung als selbstlosen Beschluss zum Wohle Alaskas und ihrer Familie dar. Ihre Erklärung gab sie vor einer Kamera und einem Mikrofon im Garten hinter ihrem Haus in der Kleinstadt Wasilla ab, umringt von Freunden und Nachbarn. Sie habe entschieden, 2010 nicht zur Wiederwahl anzutreten, weil Alaska und ihre Familie „größere Freiheit zur Entwicklung“ brauchten. Die Konsequenz aus dieser Bekanntgabe sei jedoch, dass sie für die verbleibenden 18 Monate Amtszeit eine „Lame duck“-Gouverneurin wäre. Das wolle sie Alaska ersparen, deshalb übergebe sie die Geschäfte am 25. Juli ihrem Stellvertreter.

Ihre Sätze enthielten vielfältige Andeutungen, die als Belege für die unterschiedlichsten Absichten dienen können. Sie wolle weiter ihre zwei Hauptanliegen verfolgen – die Unabhängigkeit der USA von Energieimporten sowie die nationale Sicherheit. Sie wolle anderen Republikanern quer durch die USA in deren Wahlkämpfen helfen. Und sie wolle ihre Familie vor der öffentlichen Aufmerksamkeit schützen.

Palin ist in der Parteiführung der Republikaner umstritten, aber weiterhin eine Identifikationsfigur für viele konservative Wähler. Sie sehen in ihr eine authentische Stimme des Volkes. Ihre Gegner sagen, sie habe zu wenig Erfahrung und Kenntnis von der Welt. In Alaska ist die Zustimmung zu ihr während der Kontroversen um ihr Auftreten als Vizepräsidentschaftskandidatin gefallen, von zuvor 90 Prozent auf unter 50 Prozent. Konservative Strategen analysieren, wenn sie 2012 gegen Barack Obama antreten wolle, müsse sie verstärkt in die übrigen Staaten der USA reisen und sich bekannt machen. Der Job der Gouverneurin in dem mehrere tausend Kilometer entfernten Alaska wäre dabei ein Hindernis.

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