Griechenland-Besuch : Was Angela Merkel in Athen erwartet

Erstmals seit Ausbruch der Euro-Krise fährt Angela Merkel nach Athen. Darüber freut sich nicht jeder in der griechischen Hauptstadt. Es werden heftige Proteste erwartet. Doch welche Absichten verfolgt die Kanzlerin?

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... und stürmt auf die Polizisten vor dem Parlament zu.Weitere Bilder anzeigen
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09.10.2012 16:50... und stürmt auf die Polizisten vor dem Parlament zu.

Antonis Samaras rollt den roten Teppich aus. Der Empfang, den der griechische Premier am Dienstag der Bundeskanzlerin bereiten will, soll genauso würdig sein wie die Zeremonie, mit der Angela Merkel vor etwas mehr als sechs Wochen den Griechen vor dem Kanzleramt begrüßte.

Wie werden die Griechen Angela Merkel begrüßen?

Man werde Merkel empfangen, „wie es der führenden Politikerin eines großen, befreundeten Landes angemessen ist“, sagte Samaras. Viele Griechen sehen das allerdings anders. „Willkommen, aber ...“ titelte Griechenlands größte Zeitung „Ta Nea“. Der Karikaturist des Blattes bildet Merkel mit Stahlhelm ab, in der Hand hält sie vorsichtshalber eine Gasmaske. Eine Anspielung auf die geplanten Demonstrationen, die Merkels Besuch begleiten sollen. Die beiden großen griechischen Gewerkschafts-Dachverbände haben zu dreistündigen Streiks und Protestkundgebungen aufgerufen.

Während Regierungschef Samaras mit dem Merkel-Besuch die Hoffnung verbindet, die Zukunft seines Landes in der Euro-Zone zu sichern, verspüren viele Griechen Wut. Sie machen vor allem die „eiserne Kanzlerin“ für die harten Sparauflagen verantwortlich, die ihr Land ständig tiefer in die Rezession und immer mehr Menschen in die Arbeitslosigkeit treiben. Der Besuch der Kanzlerin sei „eine weitere Demonstration der Unterwerfung Griechenlands unter die Interessen der Banker und des Kapitals“, erklärte das Bündnis der radikalen Linken (Syriza), Griechenlands größte Oppositionspartei. Syriza-Chef Alexis Tsipras sagt, Merkel komme, „um das korrupte politische System zu stützen“. Man werde der Kanzlerin „den Empfang bereiten, den sie verdient“. Bereits am Montag gab es in Athen einige kleinere Demonstrationen, für den Abend waren weitere Proteste geplant.

7000 Polizisten sollen Merkel schützen. Die Straßen, über die sie vom Flughafen in die Innenstadt fährt, werden für Stunden komplett gesperrt. Im Regierungsviertel dürfen nicht mal Fußgänger unterwegs sein – damit nur ja keiner Eier oder faule Tomaten auf die Kanzlerin wirft. Scharfschützen werden auf den Hausdächern in Stellung gehen. Solche Sicherheitsmaßnahmen gab es in Athen zuletzt 1999 beim Besuch des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton. Dessen Visite wurde von schweren Unruhen begleitet, im Athener Zentrum gingen zahlreiche Geschäfte und Bankfilialen in Flammen auf. Solche Bilder wären das Letzte, was die griechische Regierung jetzt braucht, meint die Zeitung „Estia“, denn sie könnten bei Griechenlands Partnern den Eindruck erwecken, das Land sei nicht mehr zu retten.

Auf was hoffen die Griechen?

Die griechischen Kommentatoren spekulieren bereits über die Frage, was die Kanzlerin mitbringt: Pläne für deutsche Investitionen? Immerhin trifft sie in Athen auch deutsche und griechische Firmenvertreter. Oder ihr Einverständnis zu der von Griechenland gewünschten Streckung des Konsolidierungsprogramms? Vielleicht gar die Zusage für eine rasche Auszahlung der in Athen sehnlichst erwarteten nächsten Rate der Hilfskredite? Bei nüchterner Betrachtung ist allerdings nichts davon zu erwarten.

Aber auch wenn Merkel außer Freundlichkeiten nicht viel im Gepäck haben sollte, bekommt ihr Besuch aus griechischer Sicht großes Gewicht. Man wertet ihn nicht nur als Vertrauensbeweis für Premier Samaras sondern auch als Signal, dass ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone in Berlin nicht mehr zur Debatte stehe. Die Zeitung „Ethnos“ meint: „Kein Politiker besucht ein Land, um es dann wenige Tage später seinem Schicksal zu überlassen.“

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