GRIECHISCHES PARADIES : GRIECHISCHES PARADIES

Thassos, eine Insel im Nordosten Griechenlands. Im Reiseführer steht die Warnung: In den Sommermonaten ist in den Bergdörfern die Hölle los! Die Autokarawanen! Die Menschenmassen! Und dann fährt man in dieses Bergdorf auf Thassos und dann ist da: nichts. Auf der Inselstraße rast kein Autofahrer, der hetzt, die gepflasterten Dorfgassen sind leer und die Parkplätze frei. Kein Reisebus versperrt den Blick ins Tal, aufs blaue Meer, auf den Wasserfall, die gewaltigen Olivenhaine. Und im Lokal ist immer ein Plätzchen frei, sogar direkt am Berghang. Die Wirte freuen sich, weil ja sonst keiner kommt – und die Touristen freuen sich, weil die Griechen Zeit haben für eine Plauderei. Griechenland ist in der Krise das Urlaubsparadies, mal abgesehen vom Benzinpreis. Aber für die Griechen auf Thassos ist die Krise die Hölle. „Die Griechen vom Festland machen keinen Urlaub mehr, sie haben kein Geld“, erzählen die Wirte bei einem süßen Kaffee, „aber von diesen griechischen Urlaubern leben wir. Unsere Pensionen sind leer, die Lokale auch, unsere Söhne verlassen die Insel. Die meisten Ausländer bleiben doch in ihren Hotels. Es ist ein Drama für unsere Insel.“ So ein bisschen muss man sich Thassos vorstellen wie Usedom und Langeoog ohne die deutschen Touristen. Wunderschön für Urlauber, die unausweichliche Pleite für die Menschen dort. Zumal auch die Zahl der Touristen aus dem Ausland sehr gering ist. Denn die denken: Urlaub in Griechenland? In der Krise? Oha! Da sind überall Krawalle – was natürlich blanker Unsinn ist, aber das muss den Deutschen ja keiner so laut sagen, zumindest bitte nicht vor den Sommerferien. Sonst wird’s im Paradies echt noch voll. André Görke

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