Politik : Großbritannien: Blair lässt den Ernstfall proben

Matthias Thibaut

Das britische Außenministerium hat am Mittwoch alle britische Staatsbürger aufgefordert, Pakistan zu verlassen. Der "Daily Telegraph" hatte zuvor die Ankunft "einer Truppe britischer Muskelmänner in Zivil" in Islamabad gemeldet. In ihrem schweren Diplomatengepäck hätten sie mitgeführt, was "fürs Laienauge wie militärische Ausrüstung" ausgesehen habe. Zeitweise sei der Flughafen gesperrt worden, offenbar weil Militärmaschinen landeten.

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Chronologie: Die Anschlagserie gegen die USA Im Zentrum britischer Spekulationen über mögliche militärische Aktionen gegen Osama bin Laden und die Taliban steht die britische Eliteeinheit SAS ("Special Air Service"). Sie verfügt, im Gegensatz zur amerikanischen Delta Force, über intensive Afghanistan Erfahrung aus den achtziger Jahren, als die SAS eng mit der Jamiat-i-Islami Miliz des letzte Woche ermordeten Ahmad Schah Massud zusammenarbeitete. So hat sie beste Kontakte zur "nördlichen Allianz" in Afghanistan, die im Falle eines Schlags gegen die Taliban ein unverzichtbarer Verbündeter wäre.

Doch alles ist Spekulation. Das britische Verteidigungsministerium hat lediglich bestätigt, das für Oktober angesetzte Manöver "Saif Sareera" in Oman und im arabischen Golf finde wie geplant statt. Ziel sei, Großbritanniens "Verpflichtung für Frieden und Sicherheit in der Region" zu demonstrieren, so Verteidigungsminister Geoff Hoon. An der Übung nehmen 20 000 Militärangehörige mit 27 Schiffen, dazu Panzereinheiten und Tornado-Kampflugzeuge teil.

An Warnungen vor leichtsinnigen Abenteuern, zumal im undurchdringlichen afghanischen Bergland, fehlt es aber bis hinauf zu Premier Blair nicht. Der "Mirror" erinnerte daran, dass die Sowjetunion nicht zuletzt wegen ihrer Niederlage in Afghanistan zusammengebrochen sei. Der "Express" warnte, nicht einmal Alexander der Große habe Afghanistan erobern können. Niemand zweifelt aber daran, dass Großbritannien seinen aktiven militärischen Beitrag leisten wird, wenn er von den USA eingefordert wird. Blair selbst identifizierte die afghanische Talibanregierung als potenziellen Feind: "Entweder sie hören auf, diejenigen zu schützen, die Terrorismus schüren, oder sie werden wie ein Teil des terroristischen Apparats behandelt", sagte Blair der BBC.

66 Prozent der Briten unterstützen einer Umfrage zufolge militärische Aktionen gegen Terroristen und ihre Helfer. Wenn es in der Dringlichkeitsdebatte des Unterhauses Ende vergangener Woche auch viele mahnende Stimmen gab, sind sich die Parlamentarier in der Sache doch einig. Oppositionsführer Ian Duncan Smith, ein ehemaliger Berufssoldat, hat Blair sogar angeboten, die parteilichen Auseinandersetzungen zu suspendieren, solange der "Krieg" gegen den Terrorismus dauere. Zur Stärkung der Inneren Sicherheit werden neue Maßnahmen zur schnelleren Abschiebung Illegaler und EU-weite Haftbefehle erwogen.

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