Politik : Grüne Realos wollen den Neuanfang Ekin Deligöz soll

Parteiflügel führen.

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Die Realo-Vertreterinnen Ekin Deligöz und Katrin Göring-Eckardt. Foto: imago Foto: IMAGO
Die Realo-Vertreterinnen Ekin Deligöz und Katrin Göring-Eckardt. Foto: imagoFoto: IMAGO

Berlin - Nach der Bundestagswahl stellt sich auch der Realo-Flügel der Grünen neu auf. Bei einem Treffen am Montagabend soll die Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz zur neuen Koordinatorin gewählt werden, wie es in Grünen-Kreisen hieß. Deligöz soll die Realos gemeinsam mit dem bisherigen Koordinator Dieter Janecek führen, der ebenso wie sie aus Bayern kommt und Vorsitzender des dortigen Grünen-Landesverbandes ist. Mit der Wahl der 42-jährigen Deligöz, die zu den „moderaten“ Vertreterinnen ihres Flügels gehört, soll verhindert werden, dass sich die zerstrittenen Realos aufspalten. Der 37-jährige Bundestagsneuling Janecek wirbt dafür, dass die Grünen sich jenseits des linken Lagers positionieren; er hätte eine schwarz-grüne Bundesregierung für vertretbar gehalten.

In den vergangen Jahren war der linke Flügel bei den Grünen besser aufgestellt als die Realos: Jürgen Trittin war die unangefochtene Führungsfigur, hinter der sich nahezu alle versammeln konnten. Und auch inhaltlich konnte die Parteilinke Einfluss nehmen auf die Programme für die letzten beiden Bundestagswahlen. Die Realos waren nicht so gut sortiert: Dem Parteichef Cem Özdemir fehlte die Autorität, sich gegen Trittin durchzusetzen, etwa als es um die Wahlkampfstrategie und die Festlegung der Grünen auf die SPD als Koalitionspartner ging. Und Renate Künast war nach der erfolglosen Kandidatur als Regierende Bürgermeisterin in Berlin 2011 intern so angeschlagen, dass die Realos vor der Bundestagswahl 2013 sogar über eine alleinige Spitzenkandidatur Trittins nachdachten.

Die Schwierigkeiten, sich auf Führungspersonen festzulegen, setzten sich nach der Bundestagswahl fort. Bei der Wahl der neuen Fraktionsspitze liebäugelten viele Realos damit, die baden-württembergische Wirtschaftspolitikerin Kerstin Andreae zur Chefin zu wählen. Doch diese unterlag am Ende der Thüringerin Katrin Göring-Eckardt, auch weil sich die Realos in der Fraktion nicht auf eine einzige Kandidatin festlegen wollten. Eigentlich verfügt der Realo-Flügel unter den Bundestagsabgeordneten über eine Mehrheit. Im Fraktionsvorstand findet sich diese jedoch nicht wieder: Hier herrscht wegen der Festlegung auf Claudia Roth als Bundestagsvizepräsidentin voraussichtlich ein Patt.

Welchen Einfluss die Realos auf den Kurs der Partei nehmen, hängt nicht zuletzt von Winfried Kretschmann ab. Der grüne Ministerpräsident aus Baden-Württemberg hat sich vorgenommen, stärker in der Bundespolitik mitzumischen. Doch als es beim Parteitag um Lehren aus der Wahlniederlage ging, scheiterten Realos mit einem Antrag, in dem sie feststellten, dass die Grünen-Steuerpläne die Bürger überfordert hätten. Eine solche Abkehr vom Programm war der Mehrheit der Delegierten zu viel. Cordula Eubel

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