Politik : Grüne zögern mit Lob für Steinbrück

Partei gibt sich nach dem Sieg selbstbewusst.

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Berlin - Erst nach mehreren Nachfragen kommt einen Tag nach dem rot-grünen Sieg in Niedersachsen dem Grünen-Spitzenkandidaten Jürgen Trittin der Name über die Lippen, den er in den letzten Wochen beharrlich verschwiegen hatte. „Ja, der Kollege Peer Steinbrück ist Spitzenkandidat der SPD.“ Über den Einfluss von Steinbrück auf das Wahlergebnis der niedersächsischen Sozialdemokraten verliert Trittin nur die Worte, die SPD habe zugelegt. Und das sei ein „sehr persönlicher Verdienst durch die unprätentiöse Art“ des Hannoveraner SPD-Spitzenkandidaten Stephan Weil.

Nach dem „historisch besten Ergebnis aller Zeiten in Niedersachsen“, wie die grünen Parteigranden seit Sonntagabend unaufhörlich wiederholen, strotzen die Grünen vor Selbstbewusstsein. Am Montag überreichte Trittin den niedersächsischen Spitzenkandidaten Anja Piel und Stefan Wenzel ein Landeswappen mit einem grünen Ross auf rotem Grund. „Gute Pferde springen knapp“, sagte Trittin.

Piel wies darauf hin, wie schwer es gewesen sei, gegen den hohen Beliebtheitsgrad des unterlegenen CDU-Ministerpräsidenten David McAllister Wahlkampf zu führen. Es habe „Wechselstimmungen“ gegeben, die man „mitgenommen“ habe. Große Dissenspunkte in der Infrastruktur- oder Agrarpolitik mit der SPD sehen Wenzel und Piel bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen nicht. Trittin erwartet, dass eine Vorfestlegung auf Gorleben als Atommüllendlager beendet wird. Die Gespräche darüber müssten unter Einbeziehung der aktuellen rot-grünen Regierung in Niedersachsen geführt werden. Er erwarte einen „Konsens für eine ergebnisoffene Suche“. Dass es mit der Bundesregierung eine Einigung bis Februar geben wird, sieht Trittin skeptisch.

Laut Piel und Wenzel ist den niedersächsischen Grünen sehr bewusst, dass gerade sie in diesem Jahr große Verantwortung auch für den Bundestagswahlkampf tragen werden. Mit ihrem Ergebnis von 13,7 Prozent und einem Zugewinn von 5,7 Prozentpunkten nach der Wahl 2008 erhoffen sie sich auch Rückenwind für den Bund. Nach diesem Ergebnis wird in der Partei zurzeit auch nicht offen an Rot-Grün gezweifelt. Im Gegenteil, alle betonen wie Parteichefin Claudia Roth, dass „der Wechsel“ möglich sei. Sabine Beikler

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