Guttenberg-Biographie vorgestellt : Ein Buch für eine Zeit, die vorbei ist?

Unser Reporter Armin Lehmann hat gestern Abend im Hotel Adlon die Vorstellung einer Guttenberg-Biographie verfolgt. Die Autoren mussten etwas präsentieren, an dem sie lieber noch länger gearbeitet hätten.

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Karl-Theodor zu Guttenberg lächelt von oben herab. Das ist nicht despektierlich gemeint, sondern entspricht den Tatsachen. Er blickt hinunter auf den Ballsaal II des Adlons, dick mit Teppich belegt und mit rund 150 Menschen gefüllt, die dem Hotel eineinhalb Stunden den Charme eines Doktorandenseminars verleihen. Oder, ups, darf man das Wort Doktor im Zusammenhang mit Karl-Theodor zu Guttenberg gar nicht mehr in den Mund nehmen?

Der Minister ist persönlich gar nicht anwesend, sondern lächelt nur auf einem übergroß an die Wand projizierten Buch- Cover, und auch der ursprünglich geladene Laudator für diese Veranstaltung, Horst Seehofer, man kann es verstehen, ist lieber zu Hause geblieben. Denn an diesem Montagabend müssen die Autoren Eckart Lohse und Markus Wehner, Redakteure der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, etwas vorstellen, an dem sie lieber noch länger gearbeitet hätten: Ihre Guttenberg-Biographie (Droemer-Verlag). Geschrieben und gedruckt vor der Plagiatsaffäre.

Ihr Verleger müht sich herauszustellen, dass „jenseits der aufgeregten Tagespolitik eine fundierte Biographie“ vorgelegt wurde, und Lohse glaubt, man habe „Fährten gelegt“, die Guttenbergs Handeln nun „weniger überraschend machen“. Aber die Diskussion, von Spiegel-Autor Christoph Schwennicke moderiert, bleibt so schwammig wie die Persönlichkeit Guttenbergs selbst. Ist er nun ein Hochstapler? Man weiß es nicht, und man traut sich auch nicht heran an diese entscheidende Frage. Wehner spricht von „charakterlichen Problematiken“ und führt als ein Erklärungsmuster für Guttenbergs Täuschungen ausgerechnet das Argument an, er sei „aufgewachsen im Bewusstsein, Elite zu sein“. Irritierend Wehners fast Merkelsche These, Guttenbergs „Fehler hat nichts mit seinem politischen Handeln zu tun“.

Irgendwann steht der Publizist und Historiker Arnulf Baring auf, sagt, er habe zwar bisher nur den Schluss gelesen, aber er, ein bekennender Guttenberg-Fan, müsse nun sagen: „Schade, da haben Sie ein Buch für eine Zeit geschrieben, die vorbei ist.“ Baring fragt noch, ob man es denn nun nicht mit einem völlig anderen Guttenberg zu tun habe. Aber das geht unter im Protestgemurmel des Publikums.

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