Politik : Haftstrafe wegen Teddybär Mohammed

Englische Lehrerin im Sudan verurteilt – britische Regierung und Islamverbände drängen auf Freilassung

Markus Hesselmann[London]

Wegen eines Teddybären namens Mohammed sitzt die Britin Gillian Gibbons im Sudan im Gefängnis. Die Lehrerin war wegen Beleidigung des Islam verurteilt worden, die britische Regierung drängt jetzt auf ihre Freilassung – unterstützt von Muslimverbänden. Ein Gericht in Khartum hatte die 54-jährige Britin zu 15 Tagen Haft verurteilt, weil sie es zugelassen hatte, dass ihre Schulklasse einen Spielzeugbären nach dem Propheten benannte. Nach Verbüßung der Strafe soll Gillian Gibbons in ihre Heimat ausgewiesen werden. Großbritanniens Außenminister David Miliband bestellte in London den sudanesischen Botschafter ein und telefonierte mit der Regierung in Khartum. „Ich habe mit deutlichen Worten unsere Sorge über die anhaltende Inhaftierung von Frau Gibbons ausgedrückt“, teilte Miliband mit. In einem früheren Statement hatte der Außenminister noch von einem „unschuldigen Missverständnis“ gesprochen. Er hoffe, „dass dieser Fall so schnell wie möglich gelöst wird“. Das Urteil sei „außerordentlich enttäuschend“, hieß es weiter im Londoner Außenamt.

Die Haftstrafe für die Lehrerin aus Liverpool löste in der britischen Öffentlichkeit heftige Reaktionen aus – gerade bei Muslimen. Der britische Rat der Muslime nannte das Urteil „eine schändliche Entscheidung, die dem gesunden Menschenverstand spottet“, und forderte die Freilassung von Gillian Gibbons. „Einige Muslime machen mit solchen Aktionen den Islam zum totalen Gespött“, sagte Abdulkarim Gheewala, Vorsitzender der Föderation der muslimischen Organisationen in der Grafschaft Leicestershire. „Das Einzige, was wir dagegen tun können, ist, uns davon zu distanzieren.“ Der Dachverband der muslimischen Studenten in Großbritannien verlangte von der sudanesischen Regierung, „sofort tätig zu werden und die Freilassung von Frau Gibbons zu erwirken“. Es sei offensichtlich, dass die Lehrerin keine Beleidigung des Islam im Sinn gehabt hätte.

Die Zeitung „Daily Telegraph“ trat für Sanktionen gegen den Sudan ein – auch wenn dadurch der Erfolg anderer diplomatischer Initiativen wie die Entsendung einer Friedenstruppe in die Krisenregion Darfur gefährdet werde. „Die Verurteilung von Frau Gibbons zu einer Haftstrafe und ihre Ausweisung verlangen mindestens nach der Abberufung unseres Botschafters“, schrieb das konservative Blatt. Der Online-Dienst des „Telegraph“ berichtete von hunderten Demonstranten in den Straßen Khartums. Dem Bericht zufolge protestierten diese nach dem Freitagsgebet gegen das ihrer Ansicht nach zu milde Urteil und forderten die Hinrichtung von Gillian Gibbons.

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