Politik : Hanuta aus dem Westen

Abends habe ich noch den 50. Geburtstag meiner Tante gefeiert. Am nächsten Morgen kam mein Mann von der Nachtschicht: „Die Mauer ist offen!“ Ich habe damals auf der Meldestelle in Friedrichsfelde gearbeitet und dachte, ich muss sofort zur Arbeit. Vor dem Gebäude war schon die ganze Straße voller Menschen, die wollten alle ein Visum, es hieß ja zuerst, man dürfe nur damit rüber. Nur wie sollten wir die alle abfertigen? Polizisten haben dann die Personalausweise eingesammelt, in großen Plastiktüten, wir haben die Visa reingestempelt und die Vopos haben sich im Hof auf ihre Autos gestellt und die Leute ausgerufen. Das war eine tolle Stimmung! Von früh um sieben bis abends um 21 Uhr habe ich hinter dem Schalter gesessen, ohne zu essen. Mein Bruder kam vorbei, der war schon im Westen gewesen. Er hatte mir Hanuta mitgebracht.

GERLINDE KOTTMANN (56)

Beamtin aus Französisch-Buchholz

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