Politik : Hausärzte sollen gegen Demenz helfen

Bundestag beschließt Programm zu besserer Früherkennung. Schon heute gibt es fast eine Million Kranke

Cordula Eubel

Berlin - Der Bundestag will eine bessere Früherkennung von Demenzerkrankungen durchsetzen. Wenn die Betroffenen frühzeitig behandelt würden, könnten sie möglichst lange ein eigenständiges Leben führen, heißt es in einem Entschließungsantrag, den die Fraktionen am Freitag im Parlament einstimmig beschlossen. Eine „Schlüsselrolle“ komme dabei den Hausärzten zu, sagte die Grünen-Abgeordnete Irmingard Schewe-Gerigk. Mehr als 900 000 Menschen in Deutschland sind altersverwirrt. Zwei Drittel von ihnen werden laut Schewe-Gerigk zu Hause gepflegt.

Die Zahl der Demenzkranken wird in den kommenden Jahren stark steigen. Im Jahr 2020 werden Schätzungen zufolge bereits 1,4 Millionen Menschen betroffen sein. Mit der wachsenden Zahl Hochbetagter steigt auch die Zahl der Demenzerkrankungen. Bei den Über-90-Jährigen sei jeder Dritte altersverwirrt, heißt es im vierten Altenbericht der Bundesregierung, der 2002 vorgelegt wurde und Anlass für die Debatte am Freitag war.

Rund 70 Prozent der Über-85-Jährigen sind laut dem Altenbericht noch so gesund, dass sie alleine im Alltag zurechtkommen. Die Abgeordneten sprachen sich daher in ihrem Antrag dafür aus, älteren Menschen möglichst lange ein selbstständiges Leben zu ermöglichen. Dafür müsse es altengerechte Wohnanlagen, betreutes Wohnen und mehr Heime mit Klein- und Wohngruppen geben.

Wie der Staat neue Wohnformen fördern kann, berät derzeit auch eine Arbeitsgruppe der SPD. Im Herbst wollen SPD und Grüne ein Konzept für eine Reform der Pflegeversicherung vorstellen. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte im Frühjahr vergangenen Jahres die Pflegereform gestoppt, die Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) mit den Fachpolitikern der Koalition vorbereitet hatte. Damals war geplant, bei der Berechnung der Pflegestufen mehr Pflegezeit für Demenzkranke zu veranschlagen. Dann wären auch viele Ältere in den Genuss der Versicherung gekommen, die derzeit nichts erhalten.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben