Hells Angels und Bandidos : Rocker schließen Frieden

Die verfeindeten Motorradclubs Hells Angels und Bandidos haben einen Friedensgipfel angekündigt. Die Innenminister diskutieren dennoch ein Verbot der Vereinigungen.

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Immer wieder Krach. Mitglieder der Berliner Hells Angels vor ihrem Clubhaus im Stadtteil Charlottenburg.
Immer wieder Krach. Mitglieder der Berliner Hells Angels vor ihrem Clubhaus im Stadtteil Charlottenburg.Foto: Thilo Rückeis

Berlin - Bevor der politische Gipfel tagt, wollen die Rocker ihren eigenen Gipfel veranstalten. Es soll ein Friedensgipfel werden, und er findet an diesem Mittwoch in einer Anwaltskanzlei in Hannover statt, obwohl Rocker sonst damit kokettieren und oft genug danach handeln, dass Gesetze des Staates für sie nicht gelten. Einen Tag vor der Innenministerkonferenz in Hamburg wollen Anführer der traditionell verfeindeten Motorradclubs Hells Angels und Bandidos ihre Auseinandersetzungen für beendet erklären, die allein im vergangenen Jahr mehrere Menschen das Leben gekostet hatten. Es ist auch ein Versuch, die Diskussion um ein drohendes Verbot der beiden Clubs noch zu beeinflussen.

Im gesamten Bundesgebiet war es zu Gewalttätigkeiten der Rocker untereinander gekommen. Ermittler vermuten, dass sie ihre Reviere für Drogenhandel und Prostitution absteckten. Mehrere Politiker forderten daraufhin ein bundesweites Verbot der Vereinigungen, Schleswig-Holsteins Innenminister Klaus Schlie (CDU) löste im April einen Club der Bandidos und einen der Hells Angels auf. Zuvor waren die Hells Angels nur in Hamburg 1983 und 2001 in Düsseldorf verboten worden. Jetzt erklärten die beiden Motorradclubs, „dass nach mehr als zwei Monaten Vorbereitungszeit ein Weg zu einer künftigen Koexistenz gefunden wurde und der Konflikt zwischen beiden Clubs mit sofortiger Wirkung offiziell beendet ist“.

Das Bundesinnenministerium wollte die Bedeutung dieser Erklärung nicht bewerten. Der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) sagte, dass die Vereinbarung keine Bedeutung habe und auch die Diskussion der Innenminister nicht beeinflussen werde. „In erster Linie stehen die polizeilichen Instrumente beim Vorgehen gegen Rockerkriminalität im Blickpunkt“, sagte Bruch. Ein Verbot sei erstrebenswert, sinnvoll wäre aber nur ein bundesweites Vorgehen.

Die Frage, ob Hells Angels, Bandidos und Clubs wie Outlaws und Gremium flächendeckend oder nur punktuell verboten werden, wollen die Minister am Donnerstag und Freitag erörtern. „Ein bundesweites Verbot kann es nur geben, wenn es gerichtsfest durchzusetzen wäre, wenn sichergestellt wäre, dass Strukturen aufgelöst werden könnten“, heißt es aus Sicherheitskreisen. „Es wäre schlimm, wenn ein Club vor Gericht erfolgreich seine Gesetzmäßigkeit einklagen würde. Dann wäre ein Verbot ein Pyrrhussieg.“

Gegen ein drohendes Verbot hatten Rocker den Vorwurf der Sippenhaft erhoben. Durch die Einigung wollen sie nun Einsicht zeigen und ihre Koexistenz im Büro des Notars Götz von Fromberg besiegeln. Er ist auch Rechtsanwalt von Frank Hanebuth, Präsident der Hells Angels Hannover, die zu den einflussreichsten und größten Gruppen innerhalb der Hells Angels Deutschland zählen.

Dem Friedensschluss war zwar eine weitgehend ruhige Probephase von etwa acht Wochen vorangegangen. Allerdings hatte es auch in dieser Zeit vor allem in Berlin gewalttätige Auseinandersetzungen gegeben. Aus dem Landeskriminalamt Berlin heißt es: „Offensichtlich wird diesmal versucht, die Einigung auf ein breites Fundament zu stellen. Große geplante Anschläge könnten dadurch in der ersten Zeit unterbleiben.“ Irgendwann würden sich die Rocker jedoch wieder bei zufälligen Begegnungen gegenseitig provozieren, und es sei nur eine Frage der Zeit, bis auch wieder Waffen zum Einsatz kämen.

Zuletzt hatten sich beide Clubs vorgeworfen, einen Friedensschluss überhaupt nicht an der Basis durchsetzen zu können, weil die Führung keine Kontrolle mehr über ihre eigenen Mitglieder hätte und die Strukturen selbst kaum noch durchschaute. „Wir gehen davon aus, dass eine Koexistenz künftig funktioniert“, sagte Bandidos-Sprecher Micha R. Zwar könne man nicht jeden einzelnen der rund 1000 Anhänger bundesweit kontrollieren, habe sich aber gut auf die Beendigung des Konfliktes vorbereitet. Aus Kreisen der Berliner Bandidos hieß es, dass man sich der Tragweite des Friedensschlusses bewusst sei. Wenn die Präsidenten der zwei wichtigsten Rockerclubs des Landes nach einer solchen Vorankündigung zusammen in die Öffentlichkeit gingen, müsse man davon ausgehen, dass das Thema intern sehr ernst genommen werde. Sprecher Micha R. sagte dazu: „Zwei Präsidenten lehnen sich nicht ohne Grund so weit aus dem Fenster.“

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