Politik : Hemdsärmelig

Robert Birnbaum

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Der große Vorzug des Militärs gegenüber anderen Berufsständen ist die Schulterklappe. Auf der Schulterklappe sind Sternchen und Streifchen und Eichenlaub so montiert, dass der Kundige sofort sieht: Der da hinten ist wichtig, der da vorne ist der Schwejk vom Dienst. Schon beim Beamten wird die Unterscheidung komplizierter. Früher lieferte die Gesäßbreite Anhaltspunkte, aber diese Fitness-Moden bringen alles durcheinander. Mit der Kleiderordnung in der Bundesregierung ist es nicht einfacher. „Der Gerd“ ist der Boss, trägt aber gar keinen solchen Hugo. „Der Hans“ versinnbildlicht treffend das Prinzip sparsamer Kassenführung nebst dessen Vergeblichkeit. „Der Joschka“ erscheint als Seine Gutbürgerliche Dreiteiligkeit, nur bei Parteitagen basisnah pulloverisiert. Womit wir bei „dem Peter“ wären. Der ist jetzt in Kuwait gewesen. Großer orientalischer Bahnhof am Flughafen, Ehrengarde, ordenstrotzende Uniformen, feierliche Djalabija mit Goldbiese. „Der Peter“ aber im Pullover. Nun herrschen in Kuwait gerade landesuntypische zehn Grad über Null, aber trotzdem … Am nächsten Tag noch formelleres Programm, Parlamentspräsident, Verteidigungsminister. „Der Peter“ jetzt korrekt im grauen Anzug. Nur der Hosenaufschlag – sehr großzügig! Ganz neue Mode? Nicht direkt. Es ist bloß gar nicht sein Anzug, sondern der vom Adjutanten. Weil „der Peter“ seinen zu Hause vergessen hat. Aber dafür hat er für künftige Fälle was vom Persischen Golf mitgebracht. Die Jungs vom deutschen ABC-Fuchskommando haben ihm ein T-Shirt geschenkt, olivgrün, mit ihren Unterschriften. Und einer Widmung: „Für Kumpel Peter“. Für einen Minister der Verteidigung allzeit kleidsam.

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