Politik : Hier Bush, da Schröder

Warum der US-Politologe Norman Finkelstein Berlin lobt

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Aus Amerika kommt derzeit selten Lob für Deutschland und seine Regierung. In Washington ist man enttäuscht und verärgert über Schröder, Fischer und Co., die einen Krieg gegen den Irak vehement ablehnen. Doch es gibt einige Amerikaner, die diese Haltung richtig gut finden. Norman Finkelstein ist einer von ihnen. Seit seinem umstrittenen Buch über die „Holocaust-Industrie“ kennt man den US-Politikwissenschaftler auch hier zu Lande. Am Freitag war er auf der Frankfurter Buchmesse. Im Gepäck hatte der selbsternannte Außenseiter mit Hang zum Schwarz-Weiß-Malen nicht nur sein neues Werk über den Nahost-Konflikt und die Gefährlichkeit des Zionismus, sondern auch viel Lob für Deutschland.

In Deutschland, so Finkelstein, sei eine Regierung wiedergewählt worden, die nichts von einen Waffengang gegen Saddam hält. „Das gibt mir die Hoffnung, dass die außer Kontrolle geratene Bande von Gangstern im Weißen Haus doch noch gestoppt wird.“ Für Finkelstein steht auch fest, wo Amerikas wahre Ziele liegen: Gefolgschaft sichern und andere Regime wie Syrien und Iran einschüchtern.

Doch Finkelstein hält nicht nur Amerika und Bush für gefährlich, sondern auch Israel und Ariel Scharon. Und Deutschland sei dabei in der Pflicht, eine „unvorstellbare Tragödie“ auf dem Rücken der Palästinenser zu verhindern, also auf Israel einzuwirken.

„Aber was ist, wenn Saddam Tel Aviv bombardiert und die Regierung in Jerusalem Deutschland um Beistand bittet?", fragt eine Frau aus dem Publikum. Auch da hat Finkelstein eine Antwort parat. Natürlich müsse Deutschland dann dem „Staat" helfen. Doch ein Angriff könnte vermieden werden. Wie? Durch die Lösung des Nahost-Konfliktes. Und was kann Deutschland beitragen? Israel klar machen, dass seine Politik vor allem eines ist: nämlich falsch. So einfach ist das für Finkelstein. Christian Böhme

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