Politik : Hilfe für Sudan „vielleicht schon zu spät“

Thomas Lähns

Berlin - Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat harsche Kritik an den internationalen Reaktionen auf die Krise in der westsudanesischen Provinz Darfur geübt. Die Geschäftsführerin der deutschen Sektion, Ulrike von Pilar, beklagte am Freitag in Berlin, dass die Weltgemeinschaft nur langsam und schwerfällig aktiv geworden sei. Über ein Jahr lang sei das Schicksal der Menschen in Darfur bewusst ignoriert worden. Die internationale Hilfe sei spät angelaufen und selbst jetzt seien nur wenige Organisationen vor Ort. „Die Hilfe kommt spät, vielleicht zu spät“.

Anfang 2003 begannen in Darfur Kämpfe zwischen Rebellentruppen und Milizen, die der Regierung nahe stehen. Die westlichen Staaten hätten geschwiegen, um den Friedensprozess im zweiten Konflikt Sudans, zwischen Khartum und der südsudanesischen Befreiungsfront, nicht zu gefährden. In Darfur sind eine Million Menschen vertrieben worden. 400000 Flüchtlinge werden zurzeit von Ärzte ohne Grenzen versorgt, die Hälfte davon in Tschad. Seit September betreut die Organisation Flüchtlingslager, sieht sich aber vor allem in Sudan selbst mit bürokratischen Hürden und Sicherheitsproblemen konfrontiert. Zudem hat die Regenzeit eingesetzt und macht viele Gegenden für die Helfer unerreichbar. Pilar berichtete, allein in Mornay, wo 80000 Menschen Zuflucht gefunden hätten, seien 20 Prozent der Kinder unterernährt. In Kalma, einem mit 60000 Flüchtlingen belegten Camp, stünden nur 250 Latrinen zur Verfügung. Darüber hinaus würden sich kriminelle Strukturen entwickeln. In den Camps könnten schon bald Cholera- und Malariaepidemien ausbrechen. Vor den Unterkünften lauerten die Milizen – und damit Vergewaltigung, Folter und Tod. Pilar forderte die westlichen Staaten auf, ihre Versprechen endlich umzusetzen und Krisen künftig rechtzeitig zu begegnen.

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