Politik : Hilfswerke warnen vor Korruption in Tsunami-Region

Annette Kögel

Berlin - Deutsche Hilfswerke haben die Bundesregierung aufgefordert, die Fluthilfe-Gelder nicht nur den Regierungen der vom Tsunami betroffenen Länder zur Verfügung zu stellen. Das Risiko, dass Teile der zugesagten 500 Millionen Euro in Regierungsapparaten versickern, sei groß, sagte Hans-Joachim Preuß, Generalsekretär der Deutschen Welthungerhilfe (DWHH. „Wir appellieren an den Bund, auch nichtstaatliche Organisationen zu bedenken, die einen direkten Zugang zu den Betroffenen haben“, sagte Preuß stellvertretend für die Initiative „Gemeinsam für Menschen in Not“, ein Bündnis mehrerer Hilfsorganisationen in Deutschland.

Die Regeln der guten Regierungsführung müssten auch bei der Fluthilfe berücksichtigt werden, forderte Preuß. Bei diesem Ranking zu Effizienz und Verlässlichkeit schneide etwa Indonesien wegen der Korruption, aber auch wegen des hohen Einflusses der Militärs sehr schlecht ab. „Die Regierung erweist sich in Verhandlungen teils unwillig und blendet Oppositionelle bei Hilfsmaßnahmen aus“, sagte Preuß. Seine Organisation habe in Sri Lanka schon lange vor der Flutkatastrophe mit der Nichtregierungsorganisation Sewalanka zusammengearbeitet. Auch der Tagesspiegel kooperiert bei seinem Fluthilfeprojekt mit diesen beiden Hilfswerken. Die Leser hatten nach dem Tsunami über 500000 Euro gespendet. Der Vorsitzende der Sewalanka, Harsha Kumara Navaratne, sagte, in Sri Lanka seien viele Fischer enttäuscht, weil Hoteliers erlaubt werde, direkt am Strand zu bauen – dort, wo sie vormals zu Hause waren. In Indien gab es schon Streiks von Fischern, die vergeblich auf Hilfe warten.

Insgesamt setzen die Hilfswerke im Bündnis – Deutsche Welthungerhilfe, Brot für die Welt, Misereor, Medico International und Terre des Hommes – 45 Millionen Euro Spendengelder für die Fluthilfe ein. Zunächst wurden damit Nothilfe-Maßnahmen finanziert; der Großteil des Geldes kommt dem langfristigen Wiederaufbau zugute.

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