Politik : Hinter den Linden: Auf Nummer sicher

Matthias Meisner

Das Leben ist eine Baustelle. Auch wer diesen Film nicht gesehen hat, bekommt es doch immer wieder zu spüren. Warum dann unsere Volksvertreter verschonen? Die Bundestagsabgeordneten, die gerade ins neue Paul-Löbe-Haus umziehen, können ein Lied davon singen. "Halbfertig" sei das Haus, klagt ein Mitarbeiter des baden-württembergischen CDU-Manns Dietmar Schlee: "Die Handwerker sind noch am Werkeln. Vieles ist defekt." Die Unzulänglichkeiten des Umzugs würden wohl hingenommen, hätte die Bundestagsverwaltung nicht für 141 Abgeordnete eine besondere Überraschung parat. Sie bekommen mit dem Umzug in ihren Büros neue Telefonnummern, müssen neue Visitenkarten und Briefbögen drucken und wohl eine ganze Weile damit leben, schlecht erreichbar zu sein.

Die Bundestagsverwaltung weiß lange Geschichten über diesen Missstand zu erzählen. Von einer Telefongesellschaft, die schon beim Umzug aus Bonn alte Durchwahl-Nummern nicht in die neue Telefonanlage im gemieteten Rosmarin-Carree in der Friedrichstraße 83 integrieren konnte, und die nun wieder passen muss, wenn die Nummern in den neuen Büros geschaltet werden sollen. "Leider müssen die Abgeordneten in den sauren Apfel beißen", sagt eine Sprecherin des Parlaments. Derweil sich eine große Koalition der Unzufriedenen bildet: Betroffen sind nur Abgeordnete von Union und SPD, denn nur die hatten Büros im Rosmarin-Carree. Aber dass der Bundestag unsystematisch arbeite, soll keiner behaupten: Denn wer seine jetzige Nummer nicht behalten darf, bekommt eine bekannte Durchwahl - die, die er oder sie bis zum Regierungsumzug 1999 in Bonn hatte.

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