Politik : Hinter den Linden: Euro-Amme

Markus Feldenkirchen

Liebe Hebammen, diese Zeilen sind nicht geschrieben, um Euren Berufsstand zu besudeln. Im Gegenteil. Viele von uns wussten bisher ja gar nicht, dass auch der Bundeskanzler und sein Finanzminister irgendwie zwei von Euch sind, auch wenn der Bund Deutscher Hebammen weder einen Schröder, Gerhard noch einen Eichel, Hans in seiner Mitgliedsliste führt. Wie gut also, dass der Vorgängerkanzler mehr weiß. Der Reihe nach. Es geht im Prinzip noch mal um den Euro. Hat ja jeder inzwischen welche. Schön. Aber wem verdanken wir die neuen Scheine und Münzen? Eben. Es muss ja doch so etwas wie historische Gerechtigkeit geben. Und so stehen wir voll Entzücken vor diesen süßsauren Worten des Helmut Kohl. Die Deutsche Post hatte nämlich in einer Werbebroschüre geschrieben, Schröder und Eichel stünden für die Einführung des Euro, ganz so wie Adenauer und Erhard damals für die D-Mark. "Geschichtsverkürzung" hat Kohl das dieser Tage in einem Zeitungsbeitrag genannt und uns gleich diesen wunderbaren Satz geschenkt, die lyrische Ausgeburt seines dicken Grolls und doch hübsch zu lesen: "Seit wann werden Hebammen und Umstehende statt der Eltern in das Geburtsregister eingetragen?", fragt der Bundeskanzler a.D. Ja, seit wann eigentlich? Das ist natürlich eine rhetorische Frage und will - um die Geschichte mal etwas zu verkürzen - sagen: Der Euro-Papa bin ich, nicht der Hans, schon gar nicht der böse Gerd! Stimmt natürlich. Aber keiner weiß so gut wie Ihr, liebe Hebammen, dass es viel schwerer ist, ein Kind auf die Welt zu bringen, als es zu zeugen. Egal, wer später im Geburtsregister oder im Geschichtsbuch steht.

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