Politik : Hinter den Linden: Freundschaft!

Matthias Meisner

Einen Eintrag in die Geschichtsbücher wurde es nicht wert. Doch 1990, bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl, sorgte der Hallenser FDP-Mann Uwe Lühr für eine kleine Sensation. Zum ersten Mal gewann ein FDP-Kandidat einen Wahlkreis direkt. Bedanken konnte sich Lühr beim gebürtigen Hallenser Hans-Dietrich Genscher, der die Werbetrommel für ihn gerührt hatte.

Zwölf Jahre später wird der Wahlkreis Halle wieder interessant. Der heutige PDS-Fraktionschef im Bundestag, Roland Claus, macht sich Hoffnung, als Direktkandidat das Rennen in der Saalestadt zu machen. Neben Rostock und Berlin zählt Halle zu den Städten, wo die PDS glaubt, das auch schaffen zu können. Und die FDP? Auch in ihrer Ost-Kampagne wird Halle eine Rolle spielen: Claudia Pieper, designierte Generalsekretärin, ist ebenso wie Claus in Halle zu Hause.

So werden sich im Wahlkampf 2002 alte Bekannte treffen. Denn Claus und Pieper hatten mal den gleichen Arbeitgeber: die Freie Deutsche Jugend. Der heutige PDS-Mann Claus war, von 1983 bis 1987, Bezirkschef der DDR-Jugendorganisation. Und Pieper, LDPD-Mitglied, arbeitete für das FDJ-Reisebüro "Jugendtourist". Groß aufgefallen ist die freiberufliche Dolmetscherin (Russisch, Polnisch) dem FDJ-Bezirkschef nicht. "Ich war zu weit oben", sagt Claus. Aber Ärger hat ihm Cornelia Pieper auch nie gemacht: "Illoyal", meint Claus, "konnte man einen Job wie den ihren nicht machen."

Mit "Freundschaft!" wie zu DDR-Zeiten grüßen sich die beiden Bundestagsabgeordneten nicht mehr. Doch freundlich sei der Umgang bis heute, sagt Claus. Zumal er die Ost-FDP aus Erfahrung nicht fürchtet: Denn auch Lühr wurde schon mal, Anfang der 90er Jahre, FDP-Generalsekretär. Er blieb es nur kurze Zeit. "In der westdeutsch dominierten Partei hatte er keine Chance", erinnert sich Claus. Ob das zehn Jahre später auch für Pieper gilt?

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