Politik : Hinter den Linden: Frühlingsgefühle

Carsten Germis

Der Bundeskanzler mag es, sich Koalitionsoptionen nach allen Seiten offen zu halten. Mit den Grünen läuft es nach Ansicht des Regierungschefs gut. Aber wer kann schon sagen, ob es nach der Bundestagswahl wieder für eine rot-grüne Mehrheit reicht. Da ist es aus Gerhard Schröders Sicht natürlich schön, dass es auch die FDP wieder an die Regierung drängt. Zwei Oppositionsjahre haben die Liberalen jetzt nach immerhin 29 Jahren ununterbrochener Beteiligung an Bundesregierungen hinter sich. Genug der Opposition, scheinen die Freidemokraten zu meinen und fangen an, ein bisschen herumzuflirten, mit der SPD.

FDP-Vizechef Rainer Brüderle zum Beispiel. Der hat in seinem Heimatland Rheinland-Pfalz schon vor längerer Zeit ein sozialliberales Bündnis geschmiedet, das sich als außerordentlich haltbar erweist. In der Konjunkturdebatte des Bundestags machte er aus seinem Werben für mehr Sozialliberal jedenfalls keinen Hehl mehr. Schließlich meint er, "dass die SPD immer dann eine andere Partei ist, wenn sie von einem starken Koalitionspartner zur Vernunft getrieben wird". Und dieser starke Koalitionspartner kann Brüderles Ansicht nach natürlich nur die FDP sein.

Deswegen wetteifert sie mit den Grünen auch um Platz drei im deutschen Parteiensystem, denn Rot-Grün ist aufrechten Liberalen natürlich ein Dorn im Auge. "Die Ökosteuer ist der letzte Kick", der die Koalition noch zusammenhalte, meint Brüderle. Schade, Gerhard Schröder hat das liberale Liebeswerben im Bundestag nicht mitbekommen. "Leider kann ich Deine Rede nicht mehr hören", rief er Brüderle lachend zu, als er das Parlament wegen anderer Amtsgeschäfte verließ. Ein politischer Flirt macht bekanntlich noch keine Ehe. Aber man merkt doch, dass es hier und da schon ein bisschen knistert.

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