Politik : Hinter den Linden: Gewaltenteilung

Robert von Rimscha

Oioioi. Ein heikler Auftrag. Schwieriges Terrain. Sie wissen vielleicht, dass derzeit Politiker versuchsweise Medienunternehmen leiten und Chefredakteure dafür von der vierten Gewalt zur ersten wechseln. Nein, nicht für immer, nur mal versuchsweise für ein paar Stunden. Damit die Medien die Politiker besser verstehen und die Gewählten zu den Journalisten ein entspannteres Verhältnis finden. So weit, so gut. Aber am Montag hat Tagesspiegel-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo die Unions-Fraktion geführt! Und erst heute wird sich Friedrich Merz rächen und die morgige Ausgabe dieser Zeitung gestalten! Und jetzt soll ich den eigenen Chef als Politik-Debüttanten rezensieren! Das geht doch gar nicht! Das verletzt doch alle Grundsätze, Unabhängigkeit und so! Wie soll da eine vernünftige Basis für künftige Gehaltsverhandlungen herauskommen, außer in diese Zeilen zieht jetzt höfische Berichterstattung ein? Gut, durchbrechen wir halt das Linden-Genre, und schreiben wir streng nachrichtlich:

Berlin (rvr), 28. Mai. Von frühsommerlichem Nieselregen begleitet übernahm Tsp/GdL am Montag die CDU/CSU.

Nein, agenturtauglich war das nicht. Unser Chef durfte nämlich nur einen "virtuellen Vorsitzenden" abgeben, weil die Union so Wichtiges zu diskutieren hatte. Aber einen Knaller gab es. Als Friedrich Merz gestand, dass er die morgige Tagesspiegel-Ausgabe verantworten werde, lachte die ganze Fraktion. Warum nur? Weil Merz, wie unser Chef meinte, einen "tatsächlichen Vorsitzenden" abgeben muss. Nun wartet die gesamte CDU/CSU gespannt auf Mittwochmorgen. Auf das Ergebnis von "Mission Impossible 3".

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