Politik : Hinter den Linden: Hüftschwung

Robert von Rimscha

Schräg hinter dem Reichstag liegt das Haus der Bundespressekonferenz. Morgens eilen hier Reporter an ihre Tische, um über die große Politik zu berichten. Um aber den Bürokasten betreten zu können, muss man eine weiße Einlasskarte zücken und an einem rotleuchtenden Sichtgerät vorbeiführen. Dieses stellt dann auf grün um. Dann geht die Tür zur Arbeit auf. Das weiße Kärtchen strahlt so stark, dass man es dazu nicht unbedingt aus dem Portemonnaie nehmen muss. So sieht man Menschen, die ihre Geldbeutel aus Taschen oder Rücksäcken nesteln und dann ihre gesamte Kreditkartensammlung am Lesegerät vorbeiführen. Andere schwingen gleich ihre ganze Aktenmappe an der unsichtbaren Concierge vorbei. Und wieder andere... aber dazu kommen wir gleich. Erst kommt ein Umweg. Ruth Westheimer ist Amerikas Oswald Kolle. Madeleine Albright war US-Außenministerin. Rigoberta Menchu erhielt den Friedensnobelpreis. Die drei Damen tanzen derzeit über die Bildschirme. Der UNHCR hat sie angeheuert, zur Feier seines 50. Geburtstages. Denn Westheimer, Albright und Menchu sind Ex-Flüchtlinge. So wackeln sie nun mit den Hüften, um Werbung für die Vertretung der Flüchtlings-Interessen in der UN zu machen. Eine meist Jeans-tragende Arbeitnehmerin aus der Bundespressekonferenz sah den UNHCR-Spot und dachte sich: Hüftschwung! Das isses! So gibt es also nun eine Kollegin, die morgens auf das Herauspfriemeln ihrer Einlasskarte komplett verzichtet. Sie führt schlicht Gesäß, Gesäßtasche, darin steckendes Portemonnaie und die im selbigen vergrabene Karte im Viererpack am Lesegerät vorbei. Grazil wie Madeleine. Und die Tür geht auf.

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