Politik : Hinter den Linden: Kulturschock

Gerd Appenzeller

Berliner Politik, wir meinen, die in Berlin für Berlin und nicht für den Bund gemachte Politik, ist nicht langweilig, nein. Und wir haben jetzt ein paar Personen dabei, die schon für sich genommen ein Unterhaltungsprogramm sind. Da gibt es einen Regierenden Bürgermeister mit einer geradezu operettenhaft-kindlichen Freude an Fröhlichkeit und einen Wirtschaftssenator, der aus ganzem Herzen auch für Frauenfragen zuständig sein will. Vor allem aber haben wir nun einen Senator für Kultur und Wissenschaft, dem aufgrund seiner Verdienste in vorangegangenen Tätigkeiten die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Kulturschaffenden sicher sein kann. Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin hat bereits seinen Respekt bekundet, als er noch nicht wusste, was Thomas Flierl bereits 1990 Prophetisches über Kulturarbeit in Berlin geschrieben hatte. Falls er es überlesen haben sollte, hier zwei erhellende Zitate:

"Das Hauptstadtargument ist kulturpolitisch ein finanzielles und kein inhaltliches". Dazu passt: "Grundsätzlich sollen keine neuen Bundesinstitutionen geschaffen werden, sondern Landesinstitutionen, die anteilig vom Bund finanziert werden ..."

Wenn man nicht wüsste, dass Eberhard Diepgen schon aus moralischen Gründen niemals ein postkommunistisches Papier in die Hand genommen hätte - so klar wie PDS-Mann Flierl hat vor mehr als einem Jahrzehnt keiner zu formulieren gewagt, wie man sich die Rolle des Bundes in der Hauptstadtkultur vorzustellen hat: Der Bund soll die Berliner Kultur bezahlen, und sich ansonsten mucksmäuschenstill verhalten. Minister Nida-Rümelin wird sich noch wundern...

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