Politik : Hinter den Linden: Sauer macht stur

Markus Feldenkirchen

Wo man hinschaut, waltet der Wald. In den wenigen Orten gähnt die Ereignislosigkeit. Das Beste gegen Sonnenbrand sind Ferien im Sauerland, heißt es. Armes Sauerland. Was soll man auch sagen über einen Landstrich, dessen Häuseransammlungen Brilon oder Meschede heißen, in dem ein gewisser Friedrich Merz einst zu den wildesten Ureinwohnern gehört haben soll; so zumindest geht die Sage. Eigentlich eine zu vernachlässigende Region, werden Sie denken, was aus touristischer Sicht durchaus stimmt - es sei denn, Sie sind Holländer und haben mit ihrem Wohnwagen die Vereinbarung getroffen, ihm die ödesten Campingplätze der Republik zu zeigen.

Reden wir aber von Wichtigerem, der Politik und jenen Herren, die es aus dem Sauerland bis in die Höhen der Bundespolitik geschafft haben. Franz Müntefering, Generalsekretär der SPD, ist so einer. Ein Sauerländer. Über sein schweres Schicksal hat er nun erstmals gesprochen. Es könne gut sein, sagte Müntefering, dass er als gebürtiger Sauerländer manchmal etwas trocken und stur wirke. Und hat gleich einen Satz nachgeschoben, aus dem der ganze Trotz eines Mannes spricht, der es mit seiner Herkunft nie leicht hatte. "Damit kann ich aber gut leben".

In der Tat lässt sich mit dem Vorwurf der Trockenheit und Sturheit leichter leben als zum Beispiel mit dem der Dummheit. Warum wir damit bei Heinrich Lübke sind? Nun, Lübke musste in seinem Amt als Bundespräsident 1962 in Liberia eine Rede halten, die er mit der berühmten Anrede begann: "Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger". Lübke. Auch Sauerländer. Sogar Hochsauerländer.

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