Politik : Hinter den Linden: Sprechende Anzüge

Stephan-Andreas Casdorff

Sicher, Karneval ist vorüber. Aber einmal müssen wir noch darauf zu sprechen kommen. Nicht etwa, weil jetzt allzu starkes Fasten bunte Träume hervorruft, sondern weil im besten Fall der Geist, gereinigt, fröhlich herumkajohlt. Sozusagen. Darum kann man sich dann auch mit ernsten Dingen beschäftigen. Zum Beispiel mit der PDS, weil die so gar nicht witzig ist.

Gabi Zimmer hat sich nach Kräften bemüht, aber so war es dann auch. Was einmal mehr zeigt, welchen Stellenwert Gregor Gysi hat. Wenn der seine Schellen verteilt! Wenn der seine Possen reißt! Da könnte man manchmal sowieso denken, es sei Karneval. Aber wenn er nicht greifbar ist - sofort altes Denken. Hätten sie doch wenigstens sich selbst persifliert, als sprechende graue Anzüge oder so... Aber der Sozialismus ist doch schon eine ernste Sache. Immer Fastenzeit, gewissermaßen. Was eigentlich erstaunlich ist, bei diesen Jecken.

Dazu passt dies: Im Internet, dem Medium der Freiheit, war über Wochen ein Fehler der Bundestagsverwaltung zu besichtigen. Weil auf deren Website ein Name verrutschte, war Gregor Gysi nicht mehr 53, sondern 60, nicht mehr in Berlin geboren, sondern in Extertal, nicht mehr Rinderzüchter von Beruf, sondern Apotheker. Gysi, der Rinderzüchter ... Als Apotheker ... Daraus hätte sich was machen lassen, in einer Karnevalsrede. Oder zum Aschermittwoch.

Aber Gysi selbst war nicht da, sondern fidel auf Kuba. Wenn er nicht da ist, kann ihn eben doch keiner ersetzen. Dann kann irgendwie niemand einen guten Witz machen, nicht über ihn, nicht einmal über sich selbst. Und da sollen wir die PDS ernst nehmen?

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