Politik : Hinter den Linden: Staubtrocken

Markus Feldenkirchen

Es gibt ja Leute, die glauben, die Arbeit rund ums Parlament sei eine staubtrockene Angelegenheit. "Das ist ja sicher ziemlich trocken, was Ihr da macht", hat erst am Samstagabend jemand ganz trocken gesagt. Und unterlag dabei doch einem weit verbreitetem Missverständnis. Es gibt nämlich durchaus bunte Momente im Leben rund ums Parlament. Nicht nur zur Weihnachtszeit. Aber gerade dann. Wenn etwa die Pressestelle der FDP-Bundestagsfraktion ihre Weihnachtskarten verschickt. Auf denen ist ein Christbaum mit vier primagroßen Geschenken, den "Wahlerfolgen 2001", gezeichnet. Der Wolfgang Gerhardt ist auch zu sehen wie er mit dem Guido Westerwelle mit leuchtenden Sternenaugen vor Freude in die Luft geht. Da möchte man sich hüpfend mitfreuen, wenn man nicht zu professioneller Distanz verpflichtet wäre.

Aber es gibt noch andere bunte Momente. Ein aktuelles Beispiel: Wir haben uns für unser Redaktionsbüro einen Adventskranz gebastelt. Einen richtig feierlichen, mit viel Grünzeug und roten Schleifen. Jetzt warten wir immer gespannt, dass Sonntag wird und wieder eine Kerze mehr entflammt werden kann. Nun besitzt ein Kranz, der in einer Parlamentsredation steht, quasi automatisch eine bundespolitische Dimension. Jede Kerze steht in unserem Fall, sagen wir, für ein Amtsjahr der Regierung Schröder.

Die erste Kerze brannte denn auch wie ein Streichholz im Taifun. Die Lafontaine-Delle und die Eichelsche Sparpolitik, wegen der es nur für Billigwachs gereicht hatte, verunsicherten die Flamme stark. Die zweite Kerze entpuppte sich dagegen als Prachtflamme, deren Schein im Nebel der Selbstbeweihräucherung so richtig zur Geltung kam. Aus der dritten Kerze werden wir indes noch nicht ganz schlau. Auch sie schwächelt, irgendwie scheint die Luft raus. Aber das ist Wachsleserei. Welches Gesamtbild unser Adventskranz ergibt, werden wir am nächsten Sonntag erfahren. Und dann? Wie heiß es noch in diesem schlechtreimenden Adventssprüchlein? Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier. Dann steht der Edmund vor der Tür.

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