Politik : Hinter den Linden: Unter Literaten

Hans Monath

Rudolf Scharping hat es seinem Chef wieder einmal gezeigt. Was der Kanzler kann, kann ich schon lange, dachte sich der Verteidigungsminister und lud sich einen Schriftsteller ins Haus. Im Gästekasino des Bendler-Blocks las deshalb kürzlich Jochen Missfeldt ("Gespiegelter Himmel"). Immerhin ist Missfeldt einer der wenigen deutschen Autoren, die weder Feuilletonist noch Professor für vergleichende Literaturwissenschaft sind - als ehemaliger Starfighter-Pilot kennt er auch die Truppe. In "Aktuell", der Zeitung für die Bundeswehr, war danach in einer milieugerechten Metapher zu lesen, der Auftritt Missfeldts sei "der Startschuss" zu einer ganzen Reihe von Autorenlesungen im Bendler-Block gewesen - peng. Bei Soldaten muss es eben immer knallen.

Freilich sucht man im Ministerium noch nach weiteren Literaten. Kleiner Tipp: Der Autor Bodo Kirchhoff war mit der Bundeswehr schon in Somalia, die Newcomerin Juli Zeh recherchierte für ihr Buch beim deutschen Kontingent auf dem Balkan. Wenn die Lese-Reihe im Bendler-Block sich denn zum kulturpolitischen Ereignis (Aspekte-Literaturpreis an Rudolf Scharping) auswächst, fahnden wahrscheinlich bald auch die anderen Minister nach Dichtern: Für Christine Bergmann ist das kein Problem, denn über Familie schreibt ohnehin fast jeder. Renate Künast könnte auch schnell nachziehen, da zu befürchten ist, dass irgendein deutscher Dichter längst einen Psalm auf die Bio-Landwirtschaft verbrochen hat. Und Ulla Schmidt - Arztromane, ganz klar.

Wen aber lädt Finanzminister Hans Eichel ein? Der bedeutende Roman "Der Schuldenberg" wartet schließlich noch immer auf seinen Autor.

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