Politik : Hinter den Linden: Unter Männern

Robert von Rimscha

Ein faules Osterei hat Helmut Haussmann Jürgen Möllemann ins Nest gelegt. Haussmann, Möllemann: Beide waren Wirtschaftsminister, beide gehören der FDP an. Von Möllemann, dem NRW-Landeschef, stammt das ehrgeizige "Projekt 18" als Zielvorgabe und die Selbstausrufung zum Kandidaten für eine Premieren-Kanzlerkandidatur als Weg dahin. Nun ist das mit der Kanzlerkandidatur so eine Sache. Leicht könnte der Verdacht aufkommen, eine kleine Partei überhebe sich da und gebe sich durch Großspurigkeit der Lächerlichkeit preis.

So sehen es viele in der FDP. Nur ist es halt nicht leicht, dies dem Möllemann zu sagen. Haussmann hat es geschafft. Er hat die magische 18 konsequent für sich selbst usurpiert. Möllemann sei ein Plagiator, sagt Haussmann. Er, Haussmann, habe die Zahl längst für sich "gepachtet". Also: der 18. Mai 1943 ist sein Geburtstag. In Bad Urach auf der schwäbischen Alb war das. Sein Abitur hat er, das war im schwäbischen Metzingen genau 18 Jahre später, mit, klar doch, der Durchschnittsnote 1,8 bestanden. Exakt 18 Jahre nach dem Job als Forschungsassistent an der Universität Erlangen-Nürnberg wurde er Minister. Genau 18 Jahre nach seiner Promotion hat er das "Handbuch der internationalen Unternehmenstätigkeit" herausgegeben. Die Zusatzzahl 18 hat ihm im Lotto einen hübschen Gewinn beschert. Noch nie fuhr er ein Auto, das nicht die Zahl 18 auf dem Nummernschild trug.

Die autobiografische Humorisierung des Zahl 18 dürfte jedenfalls ein geschickteres Vorgehen gegen den Größenwahn-Verdacht sein, als die bierernsten Rettungsversuche des Noch-Vorsitzenden. Auch Wolfgang Gerhardt befürchtet, die stolze 18 und der Kanzlerkandidat könnten in einer Blamage enden. Dem Hessen aber fehlt die Leichtigkeit des Schwaben.

Gerhardt argumentiert sachlich. Die "18 Prozent symbolhaft als politisches Programm zu handeln", sei in Ordnung. Mit dem anderen Symbol, der Kanzlerkandidatur, solle "zurückhaltend" umgegangen werden. "Genau" antwortet der Noch-Chef auf die Frage, ob Guido Westerwelle "in jedem Fall ohne Kanzlerkandidaten" die Führung übernehmen solle. Hätte er doch bloß argumentiert, er sei die wahre 18, weil die Quersumme aus addiertem Abiturjahr und Promotionsjahr (1963 und 1970) exakt zweimal 18 beträgt! Unter Guido wird das besser. 1980 Abitur: Quersumme 18! Wie viele Jahre vom Vorsitz der Jungen Liberalen zum Parteichef? 18!

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