Politik : Hinter den Linden: Vom Wünschen

Robert von Rimscha

Was macht man so, vor einer Wahl? Man spekuliert. Rosa könnte mit Grau, aber nur, wenn Ocker nicht mit Umbra und Pink. Grau könnte auch mit Ocker. Die von der Demoskopie reichlich mit Zahlennahrung versehenen Spielchen sind natürlich das, was alle gleichzeitig mit brutalstmöglicher Empörung zurückweisen. Es gehe ja schließlich nicht um Machtkalkül, es gehe doch um die Inhalte.

Ähnlich unbeliebt - und zugleich unvermeidlich - wie die Koalitionsmodelle sind die Personalkaruselle. Da hat es vor allem ein Regierender schwer. Wenn der nicht sagt, sein Minister Soundso sei eine famose Spitzenkraft und solle selbstverständlich weiter im Kabinett arbeiten, könnte dies als Misstrauensvotum verstanden werden. Innerparteiliches Misstrauen aber schickt sich vor einer Wahl nicht.

Was also soll Gerhard Schröder tun? Eine Formel finden: Vor dem 22. September gibt es keinerlei Personalfestlegungen. Außer natürlich einer: Schröder bleibt Kanzler. Wenn es nach ihm geht. Über diesen seinen Schalk ist der Kanzler so erfreut, dass er den Gag gerade drei Mal hintereinander riss.

Auch Rudolf Scharping hat sich entschieden: Er wolle weitermachen; und für Schröder gelte: "Wir sind uns einig." Bei was? Beim Verbleiben? Beim Wunsch? Nun ist der Kanzler natürlich bereits gefragt worden, ob dies nicht ein Widerspruch sei: Seine Leitlinie, keine Aussagen über das erhoffte zweite Kabinett zu machen, und des Ministers Bekundung, er sei sich mit dem Bundeskanzler einig über seinen Job in eben jenem Kabinett. Raten Sie mal, was Gerhard Schröder gesagt hat. "Nein, ich sehe keinen Widerspruch."

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