Politik : Historisches Treffen: Nach 50 Jahren: Erster US-Besuch in Nordkorea

Harald Maass

Erstmals seit dem Koreakrieg hat am Montag mit Außenministerin Madeleine Albright ein Mitglied der US-Regierung den kommunistischen Norden besucht. Albright, die zu mehrstündigen Gesprächen mit Nordkoreas Führer Kim Jong Il in Pjöngjang zusammentraf, wollte sich zunächst nicht über das Ergebnis äußern. "Wir werden nicht schneller voranschreiten, als es für die US-Interessen Sinn macht", sagte sie in Bezug auf eine Aufnahme diplomatischer Beziehungen . Kim Jong Il betonte, sein Land sei "sehr glücklich" über den Besuch und sprach von einem "historischen" Treffen.

Albright, die von einer 14köpfigen Delegation begleitet wird, will mit ihrem zweitägigen Besuch eine mögliche Annäherung zwischen den USA und Nordkorea ausloten. Deutschland und Großbritannien hatten vergangene Woche angekündigt, diplomatische Beziehungen mit dem Regime Nordkoreas aufzunehmen in der Hoffnung, dadurch den Friedensprozess in Korea zu unterstützen. Südkoreas Präsident Kim Dae Jung, der im Juni zu einem historischen Gipfeltreffen nach Pjöngjang gereist war, wurde für seine Friedensbemühungen mit dem diesjährigen Nobelpreis ausgezeichnet.

Für die USA geht es bei Albrights Besuch vor allem um die Frage, ob und unter welchen Bedingungen Nordkoreas Führung auf ihr Raketenprogramm verzichten will. Eine entsprechende Ankündigung hatte Kim Jong Il diesen Sommer gegenüber Putin gemacht, ohne allerdings konkrete Pläne vorzulegen. Vizemarschall Jo Myong-rok war vor kurzem als bisher höchster Vertreter Nordkoreas nach Washington gereist. Die USA haben angekündigt, Nordkorea eventuell von der Liste der "Schurkenstaaten" zu nehmen.

Washington macht eine weitere Annäherung und einen möglichen Besuch von Präsident Bill Clinton im November in Nordkorea davon abhängig, inwieweit Pjöngjang bereit ist, seine militärische Bedrohung aufzugeben. Washington und Pjöngjang sind seit dem Koreakrieg (1950-1953) technisch noch im Kriegszustand.

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