Politik : Holland streitet über Schuld an Brand in Abschiebegefängnis

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Berlin Die Ursache für den verheerenden Brand im Abschiebegefängnis des Amsterdamer Flughafens Schiphol ist weiter unklar. Elf Häftlinge waren bei dem Feuer in einem Zellentrakt ums Leben gekommen, 15 Menschen wurden teils schwer verletzt. Bei den Toten handelt es sich vermutlich um illegale Einwanderer und abgewiesene Asylbewerber. Das niederländische Parlament forderte eine umfassende Untersuchung, insbesondere der Sicherheitsvorkehrungen in dem Gefängnis.

Die niederländische Opposition kritisierte Justizminister Piet Hein Donner scharf. Sein Schluss, die Sicherheit in Schiphol sei angemessen gewesen, sei voreilig. Das Niederländische Institut für Katastrophenschutz teilt die Kritik. Es gab bekannt, dass ein Brand von solchen Ausmaßen nur möglich sei, wenn Brandschutzbestimmungen missachtet worden seien. Das Institut hatte schon im Jahr 2002 kurz vor der Eröffnung des Gefängnisses Brandschutzmängel festgestellt. Niederländische Medien berichteten, dass beim Bau des Gebäudekomplexes gegen Feuerschutzbestimmungen verstoßen worden sei, weil das niederländische Justizministerium auf einen schnellen Bau gedrängt habe, um Platz für die Inhaftierung von Kokainschmugglern zu erhalten.

Anderen Berichten zufolge war das Wachpersonal des Gefängnisses nur unzureichend ausgebildet. Es setzte sich zum Teil aus Angestellten einer örtlichen Sicherheitsfirma zusammen, zu deren Aufgaben sonst die Bewachung von Supermärkten gehöre. Häftlinge hatten den Vorwurf erhoben, dass die Wächter ihre Hilferufe ignoriert und viel zu spät auf den Brand reagiert hätten. Justizminister Donner wies dies zurück. Alle neun Mitarbeiter, die während des Brandes Dienst hatten, seien erfahren gewesen. Donner kündigte an, die Brandschutzmaßnahmen in allen Gefängnissen des Landes überprüfen zu lassen. Er schloss nicht aus, dass unter den Trümmern noch weitere Opfer gefunden würden. Fünf Häftlinge sind seit dem Brand flüchtig. lich

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