Politik : Holtzbrinck mit neuer Gesellschafterstruktur

Tagesspiegel-Verleger Dieter von Holtzbrinck scheidet aus und gründet eine Familienstiftung

-

Berlin - Zum 30. Juni wird Tagesspiegel-Verleger Dieter von Holtzbrinck, 65, aus der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck ausscheiden. Er plant, eine gemeinnützige Familienstiftung zu gründen, in die er sein Vermögen aus der Unternehmensbeteiligung schrittweise überführt. „Es ist eine Zäsur, die ich gewollt habe, die mir dennoch nicht leicht fällt“, sagte er dem Tagesspiegel.

Bisher gehörte die Verlagsgruppe zu gleichen Teilen Dieter von Holtzbrinck, Stefan von Holtzbrinck und Monika Schoeller. Nach dem Ausscheiden von Dieter von Holtzbrinck halten die beiden anderen Geschwister je fünfzig Prozent der Anteile.

Dieter von Holtzbrinck trat 1970 in das Verlagshaus seines Vaters ein. Von 1980 an leitete er die Verlagsgruppe als Vorsitzender der Geschäftsführung. Diese Aufgabe gab er im Mai 2001 an seinen jüngeren Bruder Stefan ab und wechselte an die Spitze des Aufsichtsrats. Seine Nachfolge in diesem Gremium wird Lothar Späth annehmen, bisher stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats.

Zu seinen Plänen sagte Dieter von Holtzbrinck, es sei an der Zeit, die lange gehegte Idee einer sozial tätigen Familienstiftung in die Tat umzusetzen. „Der Staat kann dauerhaft nicht mehr all die sozialen Leistungen erbringen, die wir in Deutschland gewohnt waren. Mehr private Initiative ist dringend erforderlich.“

Die Unternehmensphilosophie der Gruppe soll erhalten bleiben. „Wir wollen weiterhin eine langfristige, qualitätsorientierte Verlagspolitik betreiben“, sagte Dieter von Holtzbrinck. Sein Bruder Stefan versicherte, dass die Veränderungen im Gesellschafterkreis „weder die traditionell langfristig orientierte Unternehmenspolitik und -struktur noch die finanzielle Stabilität beeinträchtigen“.

Seit den 80er Jahren hatte Dieter von Holtzbrinck die Internationalisierung der Verlagsgruppe vorangetrieben. Mittlerweile erwirtschaftet das Unternehmen die Hälfte seines Umsatzes (2005: 2,1 Milliarden Euro) im angelsächsischen Sprachraum. In Deutschland gehören zur Gruppe neben dem Tagesspiegel unter anderen „Zeit“ und „Handelsblatt“ sowie Buchverlage wie Fischer und Rowohlt. Tsp

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar