Hongkong : Als Thatcher stürzte

Vor 30 Jahren besiegelten London und Peking die Rückgabe der britischen Kronkolonie Hongkong an China. Die Vereinbarung folgte dem Motto "Ein Land, zwei Systeme", das Hongkong weit gehende Autonomie gewähren sollte. Doch Kritiker in London bemängeln, dass das Modell unter der chinesischen Zentralregierung faktisch gescheitert sei.

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Zeremonie in Peking: Am 19. Dezember 1984 besiegelten die Londoner Premierministerin Margaret Thatcher und Pekings Ministerpräsident Zhao Ziyang die Rückgabe Hongkongs an China.
Zeremonie in Peking: Am 19. Dezember 1984 besiegelten die Londoner Premierministerin Margaret Thatcher und Pekings...Foto: dpa

Als Hongkong zur britischen Kolonie wurde, herrschte in London Königin Victoria. Eineinhalb Jahrhunderte später wurde die Rückgabe der Kronkolonie an China vereinbart, und damals regierte im Königreich Margaret Thatcher. In die Amtszeit der „Eiserne Lady“ fällt ein Abkommen, um das in diesen Tagen ein Streit zwischen London und Peking ausgebrochen ist – pünktlich zum 30. Jahrestag des Vertragswerks.
Am 19. Dezember 1984 unterzeichneten Margaret Thatcher und der chinesische Ministerpräsident Zhao Ziyang in Peking eine Rückgabe-Vereinbarung, welche die Wiedereingliederung des Finanzzentrums ins chinesische Territorium besiegelte. Symbolische Wirkung – zumindest in den Augen der chinesischen Verhandler – hatte zuvor ein Auftritt Thatchers 1982 in Peking gehabt. Damals stürzte die Premierministerin auf den Stufen der Großen Halle des Volkes, was wie ein Kotau wirkte. Das Abkommen von 1984 legte anschließend fest, dass Hongkong 1997 zur chinesischen Sonderverwaltungszone wurde. Unter dem Leitspruch „Ein Land, zwei Systeme“ wurden den Menschen in Hongkong ein hohes Maß an Autonomie und eine eigene Regierung zugesichert.
Allerdings gehen heute die Meinungen in London und Peking darüber, wie die 30 Jahre alte Rückgabe-Vereinbarung gedeutet werden muss, weit auseinander. Zu Beginn der Woche räumte die Polizei in der Sonderwirtschaftszone das letzte Protestlager der studentischen „Regenschirm-Bewegung“. Während die Demonstranten eine komplette Freigabe der Wahl des Hongkonger Verwaltungschefs im Jahr 2017 forderten, beharrt die Zentralregierung in Peking auf eine Vorauswahl der Kandidaten. Kritiker in London werfen der Führung in Peking vor, dass das Modell „Ein Land, zwei Systeme“ mit der Niederschlagung des Protestes faktisch gescheitert sei. Zu ihnen gehört auch der britische Unterhausabgeordnete Richard Ottaway, der ursprünglich in dieser Woche mit einer Parlamentariergruppe nach Hongkong reisen wollte. Doch Peking verweigerte die Einreise.

Die Sprecherin der britischen Botschaft in Berlin, Amelie Heinrichsdorff, erklärte, dass die Regierung in London weiterhin voll zu der "Gemeinsamen Erklärung" stehe, die Margaret Thatcher und die Pekinger Führung seinerzeit vor 30 Jahren verabschiedet hatten. "Wir sind der Ansicht, dass der Erfolg von Hongkong durch seine Autonomie, Rechte und Freiheiten gestärkt wird, die in der Gemeinsamen Erklärung garantiert wurden, welche die Verpflichtung der Regierungen des Vereinigten Königreiches und der Volksrepublik China zugunsten des Wohlstands, der Stabilität und des Lebensstils in Hongkong getreu dem Prinzip 'Ein Land, zwei Systems' festlegte", sagte die Sprecherin.

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