Politik : Hunderttausende lässt die Kommunistische Partei zu ihrer Huldigung aufmarschieren

Harald Maass

Mit einer Militärparade und einem Massenaufmarsch hat Chinas Führung am Freitag in Peking den 50. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China gefeiert. Im Mittelpunkt der inszenierten Lobpreisungen stand Staats- und Parteichef Jiang Zemin, der sich als neuer starker Führer huldigen ließ.

Wenn Chinas Kommunisten feiern, kann Hollywood neidisch werden. Tanzende Birnen und Äpfel, Jungpioniermädchen in glänzenden Miniröcken und singende Sonnenblumen waren bei der 50-Jahr-Feier der Volksrepublik China in der Hauptstadt zu sehen. Wie im Karneval fuhren zwei Stunden lang Festwagen mit Motiven wie "Die Ein-Kind-Ehe" oder "Die große Ernte" an den handverlesenen Ehrengästen vorbei.

Es war eine der größten Staatsfeiern in der Geschichte des Landes: Mehr als eine halbe Million Menschen, darunter Schüler, Vorzeige-Minderheiten, Elitesoldaten und 75 frisch verheiratete Paare, nahmen an dem Spektakel auf dem Platz des Himmlischen Friedens teil. Die Feierlichkeiten, durch massiven Polizeieinsatz abgeschirmt, waren militärisch straff durchorganisiert. Bereits nachts um vier Uhr marschierten Schulklassen in Uniformen durch die nächtliche Hauptstadt. Mehr als hunderttausend Schüler mussten stundenlang auf dem Platz des Himmlischen Friedens ausharren, ehe sie für die KP-Führung eine chinesische Flagge symbolisieren durften.

Erstmals seit 1984 ließ Chinas KP wieder eine Militärparade aufmarschieren. 132 Kampfflugzeuge, Bomber und Helikopter donnerten in Formationen durch den Pekinger Himmel. Entlang des "Boulevards des ewigen Friedens" marschierten Eliteeinheiten der drei Waffengattungen im Stechschritt, gefolgt von Panzern, Luftabwehrraketen und nukleartauglichen Interkontinentalraketen. Unter den zur Schau gestellten Neuheiten war die ballistische Dongfeng DF31-Rakete sowie ein neues, in China entwickeltes Militärflugzeug mit dem Namen "Fliegender Leopard".

Im Mittelpunkt der Inszenierung, die live in ganz China ausgestrahlt wurde, stand Staats- und Parteichef Jiang Zemin. Der 72-jährige nutzte die Großveranstaltung, um den seit Deng Xiaopings Tod 1997 begonnenen Personenkult um sich auszubauen. Wie einst der "Große Vorsitzende" Mao Tse-tung ließ sich Jiang Zemin in einer schwarzen Limousine (Marke "Rote Flagge") an den Soldaten vorbeifahren. Als einziges Mitglied der Politbüro-Führung trug er einen grauen Mao-Anzug - auch das eine Anspielung auf den Revolutionär. "Die Praxis hat gezeigt, dass der Sozialismus der einzige Weg ist, um China zu retten und zu entwickeln", sagte Jiang in einer Ansprache an dem Ort, an dem Mao 1949 die Volksrepublik ausrief.

Obwohl die ganze Hauptstadt mit Lampions und Fahnen geschmückt wurde, kam im restlichen Peking keinerlei Feststimmung auf. Nur wenige geladene Gäste durften die Parade anschauen. Für gewöhnliche Bewohner Pekings ist das Stadtzentrum seit Tagen hermetisch abgesperrt. "Für uns ist das kein Freudentag", sagte eine chinesische Künstlerin. "Das Spektakel ist nur für die Partei."

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