Politik : „Ich bin der Präsident des Iraks“

Ex-Staatschef Saddam Hussein nutzt seinen Auftritt vor dem Sondertribunal zur Selbstdarstellung

Anne-Beatrice Clasmann (dpa)

Kairo - Saddam Hussein weiß, dass schon ein Wunder geschehen müsste, damit er von dem Sondertribunal in Bagdad nicht zum Tode verurteilt wird. Wenn er nicht schon für das Massaker an Schiiten in der irakischen Kleinstadt Dudschail hingerichtet wird, dann möglicherweise nach einem weiteren Prozess. Denn die Liste der Gräueltaten seines Regimes ist lang. Fast sieht es so aus, dass er sich vorgenommen hat: Wenn ich sowieso das Leben verlieren werde, dann will ich zumindest das Gesicht wahren.

Bei seiner Aussage zum Dudschail- Massaker aus dem Jahr 1982 gibt sich der ehemalige Machthaber am Mittwoch denn auch ganz so, wie ihn die Iraker aus seiner langen Herrschaftszeit kennen. Er spricht das „großartige irakische Volk“ an. Während er an diesem Mittwoch im Prozess erstmals als Zeuge auftritt, ignoriert er die Richter. Den Prozess bezeichnet er als „Komödie“. Saddam, der eine schwarze Lesebrille trägt, liest seine Aussage zum Massaker in Dudschail vom Blatt ab. Er erklärt: „Ich bin der Präsident des Iraks.“

Genau so wie der ehemalige Richter Awad al Bandar, der am Montag vor Gericht erklärt hatte, die von ihm gegen 148 Männer aus Dudschail verhängten Todesurteile seien damals rechtens gewesen, so argumentiert auch Saddam aus der Logik des alten Regimes heraus. Illegal sei einzig die US-Invasion gewesen, behauptet Saddam.

Die Einwürfe des Vorsitzenden Richters Rauf Raschid Abdul Rahman, der ihn immer wieder ermahnt, sich in seiner Aussage auf die Anklage zu konzentrieren, quittiert er mit einem ironischen Lächeln. Und auch der Richter bemüht sich, überlegen zu wirken, bis ihm schließlich der Kragen platzt. Erst lässt er Saddam das Mikrofon abstellen, dann schließt er, um Saddam nicht länger ein Forum für seine politische Rede zu bieten, Journalisten und Kamerateams von der Verhandlung aus. Zuvor hatte Saddams Halbbruder Barsan al Tikriti ausgesagt, der die „Errungenschaften“ der Saddam-Ära lobte.

Dass Saddam seinen Auftritt vor Gericht zur Selbstdarstellung nutzt, hat irakische Beobachter nicht überrascht. Was allerdings ausblieb, waren die von ihnen vor Prozessbeginn erwarteten „Enthüllungen“ über Saddams einstige Zusammenarbeit mit Washington, die 1990 mit der irakischen Invasion in Kuwait ein jähes Ende gefunden hatte. Doch eine Erinnerung an diese Kooperation, die während des Iran-Irak-Krieges zwischen 1980 und 1988 von besonderer Bedeutung gewesen war, würde auch gar nicht gut in Saddams heutige Verteidigungsstrategie passen. Denn er stellt sich vor allem als Opfer der US-Politik dar und lobt die Aufständischen, die gegen die amerikanischen Truppen kämpfen.

Auch auf seine in den Augen vieler Iraker äußerst unrühmliche Gefangennahme durch die Amerikaner im Dezember 2003 geht der einstige Gewaltherrscher vor Gericht mit keiner Silbe ein. Stattdessen hüllt er diese für ihn offenbar schmerzliche Periode in nebelige Worte: „Auch nach der Invasion war mein Durchhaltewillen ungebrochen.“ Rachedurstige Opfer seines Regimes, die nach dem Sturz von Saddam erklärt hatten, er und seine einstigen Getreuen sollten „öffentlich gedemütigt und im Zoo ausgestellt werden“, kommen bei dem Prozess des Tribunals, der am 5. April fortgesetzt werden soll, jedenfalls nicht auf ihre Kosten.

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