Politik : IG Metall für kürzere Arbeitszeit bei Opel

Bochumer Belegschaft arbeitet wieder /Verhandlungen über Sparpaket und 10000 Jobs beginnen

Alfons Frese

Berlin - Nach der Rückkehr der Bochumer Opel-Beschäftigten an die Arbeit konzentrieren sich nun die Erwartungen auf die Verhandlungen. Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte, jetzt gehe es darum, „die Standorte zu erhalten und so viele Arbeitsplätze zu sichern wie möglich“. Vom heutigen Donnerstag an wollen Vertreter des Betriebsrats, der IG Metall und des Opel-Vorstands über die Sanierung des Unternehmens und die Sicherung der Arbeitsplätze sprechen. Mit einem Ergebnis wird erst im November gerechnet. Der zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, sagte am Mittwoch dem Tagesspiegel, „der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen ist eine notwendig Bedingung für ein Sparpaket“. Nach der Vorgabe der Opel-Mutter General Motors sollen in Deutschland rund 10000 Arbeitsplätze gestrichen und 500 Millionen Euro gespart werden.

Die Wiederaufnahme der Arbeit in Bochum wurde von Schröder als „kluge Entscheidung“ begrüßt. In einer Stellungnahme von Opel hieß es, „wir möchten allen für die heute erreichte Entscheidung danken und sehen der weiteren Arbeit mit den Betriebsräten und der Bochumer Belegschaft nun mit Zuversicht entgegen“. IG-Metall-Vize Huber räumte ein, dass Opel mit einer „massiven Unterauslastung der Kapazitäten zu kämpfen hat“. Darauf könne unter anderem mit einer weiteren Verkürzung der Arbeitszeit reagiert werden. Huber begrüßte ebenfalls das Ende des wilden Streiks in Bochum und kritisierte in dem Zusammenhang die Führung von General Motors. „Bei einer derart dirigistischen Vorgehensweise darf man sich nicht über eine gewisse Radikalisierung wundern“, sagte Huber dem Tagesspiegel.

Rund 6400 der 9600 Bochumer Opel- Mitarbeiter hatten am Mittwoch über die Wiederaufnahme der Arbeit abgestimmt. Mit 4600 Stimmen votierten in geheimer Abstimmung knapp drei Viertel für eine Rückkehr an den Arbeitsplatz. Die gemäßigten Betriebsräte und IG Metall-Vertreter hatten auf einer geheimen Abstimmung bestanden, um eine bessere Ausgangsposition gegen die lautstarke, radikale Minderheit zu bekommen. In der Bochumer Opel-Belegschaft sind linksradikale Gruppen traditionell stark vertreten.

Zur Entspannung der Situation hatte am Dienstag ein Brief der Opel-Chefs an den IG-Metall-Vorsitzenden Jürgen Peters beigetragen. In dem Schreiben heißt es, mit einem Sparpaket wolle man „die Standorte Rüsselsheim und Bochum soweit wettbewerbsfähig machen, dass sie über 2010 hinaus als Automobilwerke erhalten werden können“. Das entspricht den Forderungen der Arbeitnehmer. Der Bochumer Betriebsratschef Dietmar Hahn sagte am Mittwoch, Opel begehe im Jahr 2012 den 150. Geburtstag. „Da wollen wir als Beschäftigte mitfeiern und nicht als Arbeitslose.“

Seiten 18, 25 und Meinungsseite

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