Politik : In den Händen der Islamisten

Frank Jansen

Die Entführer der Sahara-Touristen sind wahrscheinlich Mitglieder der algerischen Terrororganisation „Groupe salafiste pour la Prédication et le Combat (GSPC)“, die Salafiyya-Gruppe für die Mission und den Kampf. In Sicherheitskreisen heißt es allerdings, es könnte sich auch um Abtrünnige handeln, die der GSPC den Rücken gekehrt haben. Ein Indiz für Unstimmigkeiten ist der Konflikt zwischen den Entführern. Die Befreiung der ersten Geiselgruppe Mitte Mai war offenbar möglich, weil die Kidnapper sich nicht auf eine gemeinsame Strategie einigen konnten.

Die GSPC gilt als eine der brutalsten Terrorgruppen der Welt. Sie hat sich an zahllosen Massakern beteiligt. Opfer waren häufig Zivilisten. Ziel der GSPC ist ein Gottesstaat, der nach den strengen Regeln der Salafiyya organisiert wäre. Die Salafiyya ist eine ultraradikale Glaubensrichtung des sunnitischen Islams.

Gegen Ende 1997 entstand die GSPC als Abspaltung der „Groupe Islamique Armé (GIA)“. Diese hatte sich bis dahin im algerischen Bürgerkrieg durch grausame Terroraktionen hervorgetan. Einem Teil der Mitglieder war die GIA aber nicht radikal genug. Ideologische Unterschiede gibt es zwischen GIA und GSPC allerdings kaum. Außerdem unterhalten beide Gruppen Kontakte zu Al Qaida. Sicherheitsexperten bezweifeln jedoch, dass Osama bin Laden bei der Entführung der Sahara-Touristen seine Finger im Spiel hatte.

In Deutschland halten sich offenbar nur wenige GSPC-Mitglieder auf. Die Sicherheitsbehörden zählen sie zum Netz des islamistischen Terrors. Welche Gefahr auch in Europa von GSPC- Leuten ausgeht, zeigte sich im Dezember 2000. Nur knapp konnte das Bundeskriminalamt verhindern, dass vier Algerier einen verheerenden Bombenanschlag auf den Weihnachtsmarkt in Straßburg verübten. Das Oberlandesgericht Frankfurt verurteilte die mutmaßlichen GSPC-Anhänger im März zu Haftstrafen zwischen zehn und zwölf Jahren Haft.

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