Politik : In Polen ist Benzin noch günstig - Die Situation in anderen europäischen Ländern

rs/pak/wr

Nicht nur in Deutschland wird über steigende Benzinpreise diskutiert, sondern auch in anderen EU-Ländern. Wir haben bei unseren Korrespondenten in den Haupturlaubsgebieten der Deutschen, in Spanien, Italien und Österreich, nachgefragt.

Spanien: Adíos - billiges Urlaubsland. Die spanischen Benzinpreise haben sich binnen zehn Jahren verdoppelt und steuern nun auf Literpreise von einem Euro zu. Damit ist der Treibstoff zwar immer noch günstiger als in anderen EU-Ländern. Aber Spanien stellt dieser rasante und durch den explodierenden Rohölpreis angeheizte Kostenschub vor Probleme. Der steile Anstieg der Benzintarife, die allein im Mai sechs Mal erhöht wurden, treibt die Preisspirale in Spanien auf besorgniserregende Höhen. Hotels und Restaurants, Transport, Dienstleistung - hier wird in diesem Jahr bis zu zehn Prozent mehr kassiert. "Die Energiepreise sind schuld", behauptet die Branche. "Geschäftemacherei", sagen Verbraucherorganisationen. Wie dem auch sei, Spaniens Inflationsrate steigt auf ein neues Rekordhoch: Mehr als drei Prozent Preissteigerung - das ist rund das Doppelte des EU-Schnittes. Diese Negativquote entspricht dem Stand von 1996 - als Spanien von der Erfüllung der Euro-Kriterien noch weit entfernt war.

Österreich: Jörg Haider hat wieder einmal sein politisches Format unter Beweis gestellt. Der Porsche fahrende Landeshauptmann von Kärnten betätigt sich - als Tankwart. Die Medien sind voll der Klagen über die hohen Benzinpreise, im Volk soll es murren. Wenn das kein Aktionsfeld für einen Haider ist! Aus einer nicht genannten Quelle hat er 25 Millionen Liter Sprit, ein Kontingent für etwa drei Monate, "billiger bekommen", und weil er seinem Wahlspruch "einfach ehrlich!" treu bleibt, gibt er den Preisvorteil an die Kunden weiter. Wer in Kärnten bei einem bestimmten Discounter tankt, bekommt pro Liter einen Nachlass von knapp 4,3 Pfennig auf Preise, die normalerweise höher liegen als in Deutschland.

Italien: Natürlich würde man in Italien gerne wieder mal die Regierung verantwortlich machen - aber die hat sich, seit mehr als einem Jahr, wirklich nicht lumpen lassen: zwischen 50 und 90 Lire, umgerechnet fünf bis zehn Pfennige, zahlt die Staatskasse für jeden Liter an die Tankstellen zu. Trotzdem kostet das Super derzeit bis zu 2,35 DM, das bleifreie Benzin bis zu 2,10 und der Diesel bis zu 1,75, Selbstbedienung und Automatentankstellen verlangen meist etwa fünf Pfennige weniger. Die Bürger nehmen die ständigen Teuerungen überwiegend resigniert hin - ein merkwürdiger Kontrast zum Riesengeschrei, das voriges Jahr angehoben hatte, als die Regierung zu Zeiten, wo der Treibstoff noch um ein Drittel weniger kostete, eine mögliche "Carbon-Tax" sprich Benzinsteuer einzuführen versucht hatte. Innerhalb der Regierung selbst scheint man allerdings für die Benzin-Teuerung schon fast ein wenig dankbar: so lassen sich die derzeit deutlich steigenden Inflationswerte - im Mai 2,5 Prozent - sowohl der Nation wie den Euro-Wächtern mit wehleidigem Gesicht ausschließlich als Folge der Energieverteuerung hinstellen.

Polen: Wer schlau ist, tankt in Polen. Allerdings muss man Wartezeiten in Kauf nehmen, denn es hat sich herumgesprochen, dass beispielsweise in der polnischen Grenzstadt Slubice das Benzin tatsächlich um rund 45 Pfennige billiger zu haben ist als diesseits der Oder. An dem rund einem Dutzend Slubicer Tankstellen kostet der Liter bleifreies Superbenzin durchweg um die 3,31 bis 3,33 Zloty, das sind knapp 1,60 Mark.

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