Politik : In seltener Union

Nach der Kritik aus Bayern übt sich die FDP in Solidarität mit ihrem Chef – und spendet Lob für Merkel

Albert Funk

Berlin - Vom Leichtmatrosen und Junggesellen aus Bonn war auch am Donnerstag keine Reaktion zu vernehmen auf die harsche Kritik aus München. FDP-Chef Guido Westerwelle schweigt zu den angeblichen abfälligen Äußerungen von CSU-Chef Edmund Stoiber, er könne es im Verein mit CDU-Chefin Angela Merkel mit dem Duo Schröder/Fischer nicht aufnehmen. Was immerhin den Schluss zulässt, dass Westerwelle in den Augen des Bayern in einer schwarz- gelben Bundesregierung irgendwie schon auf das Amt des Außenministers gebucht ist.

Eines immerhin hat Stoibers kolportierte Philippika bewirkt: In seltener Einmütigkeit hat sich die FDP-Spitze um ihren Parteivorsitzenden geschart, der ja noch vor einiger Zeit nicht eben als beste Wahl auf diesem Posten galt. Zum Beispiel bei Wolfgang Kubicki. Der Kieler FDP-Fraktionschef hatte über Westerwelle selten ein gutes Wort zu verlieren. Am Donnerstag aber lobte er ihn: „Guido Westerwelle macht seinen Job momentan sehr gut“, sagte er im NDR. Der Parteichef zeige Profil, fügte Kubicki hinzu.

Dieses Profil ist freilich auch ein Hauptgrund für das Grummeln aus Bayern. Denn mit seinem Outing und der Forderung nach einem Adoptionsrecht für Homosexuelle hat der FDP- Chef im konservativen Lager für Aufregung gesorgt. In der FDP hat man schnell gemerkt, dass das bayerische Rauschen mehr ihrem Chef als Merkel gilt. So suchte FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper den Ball zurückzuspielen. Sie sieht in der Personaldebatte ein Ablenkungsmanöver: „Die Union hat Probleme in ihren eigenen Reihen, sich klar für 2006 aufzustellen, was die K-Frage und die großen Reformen anbelangt.“ Für Kubicki ist die FDP dagegen programmatisch gefestigt. Er sieht Neid hinter dem Ärger der CSU – weil die Union unter Merkels Führung bei 48 bis 50 Prozent in den Umfragen liege.

Bayerns FDP-Chefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sprach sich für Merkel als Kanzlerkandidatin aus. Stoiber habe seine Chance gehabt, sie aber nicht genutzt. Jetzt sei daher die Stunde der CDU-Vorsitzenden. Dass der bayerische Ministerpräsident kein zweites Mal antreten kann, ist wohl auch in der CSU verbreitete Meinung. „Wenn es normal läuft, ist die Machtfrage in der Union entschieden. Einmal Stoiber – und das war’s“, sagte der CSU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Zeitlmann dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Seinen Chef in München interpretierte er dahingehend, dass man die FDP „ein bisschen klein halten“ müsse. Das sieht FDP-Vize Rainer Brüderle natürlich anders. Zu personalpolitischen Spekulationen angesichts der Kritik an Westerwelle, auch zu einem möglichen Platz für Stoiber im nächsten Bundeskabinett, sagte er dem Tagesspiegel: „Welche Frau oder welcher Mann nach einem Wahlsieg welches Amt übernimmt, wird dann entschieden. Da sind dann alle gleichberechtigt.“

In der CSU sieht man die Gleichberechtigung der Liberalen traditionell jedoch mit Unbehagen. Schon Franz Josef Strauß drang bei Helmut Kohl vor gut zwanzig Jahren darauf, es ohne die FDP zu versuchen und die absolute Mehrheit anzupeilen. Kohl aber kalkulierte stets mit der FDP und tat sein Möglichstes, sie in einer Koalition zu haben. Nicht zuletzt als machtpolitisches Gegengewicht zur CSU. Merkel wird auch das gelernt haben.

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